Arbeit & Politik

Studie: Jeder fünfte Arbeitnehmer hat innerlich gekündigt

Der Engagement Index 2010 attestiert deutschen Firmen eine fatal niedrige emotionale Mitarbeiterbindung. Das führe zu hohen Folgekosten aufgrund von hausgemachter Kündigungsbereitschaft und mangelhafter Motivation.

Laut der aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Gallup leidet die deutsche Wirtschaft an einer mangelnden Motivation seiner Mitarbeiter. Zwei Drittel der Beschäftigten empfinden nur geringe emotionale Bindungen und leisteten nur Dienst nach Vorschrift, teilte das Unternehmen mit. Eine hohe emotionale Bindung und die Bereitschaft zum Engagement für die Unternehmensziele haben demnach nur 13 Prozent. Jeder fünfte Arbeitnehmer habe quasi innerlich gekündigt.

Die Mitarbeiterbindung, die wie bereits im Vorjahr auf niedrigem Niveau verharre, koste die Firmen Milliarden - etwa durch mehr Fehlzeiten und hohe Wechselbereitschaft gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Die Mitarbeiterfluktuation führe zu Know-how-Verlust, mache wiederholte Stellenbesetzungen notwendig und verursache kostspielige Einarbeitungszeiten.

Die zentrale Ursache für die fehlende Einsatzbereitschaft bei den Beschäftigten ist das Verhalten der Führungskräfte, so das Fazit der Studie. Denn knapp die Hälfte der emotional ungebundenen Mitarbeiter würde ihren direkten Vorgesetzten umgehend entlassen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. In ihrer Gruppe stimmten auch nur acht Prozent uneingeschränkt der Aussage zu, dass ihr Vorgesetzter für neue Ideen und Vorschläge offen ist. Bei den emotional hoch Gebundenen stimmten 73 Prozent ohne Wenn und Aber zu.

Gallup Deutschland erstellt seit 2010 anhand von zwölf Fragen zum Arbeitsplatz- und umfeld jährlich den Engagement Index für Deutschland. Die Studie gibt Auskunft darüber, wie hoch das Engagement und die Motivation bei der Arbeit ist. Für die aktuelle Untersuchung wurden 1.920 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer ab 18 Jahren im Oktober und November 2010 telefonisch interviewt.


Quelle:

PM von Gallup Deutschland vom 09.02.2011

© arbeitsrecht.de - (akr)

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