Arbeit & Politik

Leiharbeit: Zum Leben zu wenig

Eine aktuell veröffentlichte Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum Einkommen von Leiharbeitern zeigt deren prekäre finanzielle Situation. Ihr Lohn muss oft über Hartz IV-Leistungen aufgestockt werden.

Auf der Grundlage der Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit, die eine Erhebung aller sozial versicherten Beschäftigten beinhaltet und alle laufenden und einmaligen Bruttoverdienste umfasst, wertete der DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy das Arbeitsentgelt der Leiharbeiter aus.

Im Jahr 2009 lag das mittlere Bruttomonatsentgelt von Leiharbeitskräften in den alten Bundesländern lediglich bei 1.456 Euro brutto und in Ostdeutschland sogar bei nur 1.224 Euro. Bundesweit verdienten etwa zehn Prozent aller vollzeitbeschäftigten Leiharbeitnehmer weniger als 1000 Euro brutto im Monat. Lediglich eine kleine Minderheit der Leiharbeitnehmer kam auch bei Vollzeitarbeit auf monatlich mehr als 2000 Euro, während dies in der Wirtschaft für 70 Prozent der Vollzeitbeschäftigten gilt, so ein Fazit der Studie.

Bemerkenswert sei auch, dass das mittlere Arbeitsentgelt für alle Vollzeitbeschäftigten in beiden Landesteilen nominal von 2008 auf 2009 gestiegen ist, während der Lohn der Leiharbeit zugleich in Ost und West gesunken ist.

Die prekäre finanzielle Situation führe dazu, dass viele Leiharbeitnehmer trotz Vollbeschäftigung nicht einmal das gesellschaftliche Existenzminimum sichern könnten. Mitte 2010 wurden 92.000 Leiharbeitnehmer gezählt, die trotz Job noch auf Hartz IV angewiesen waren. Dies entsprach 13 Prozent aller sozial versicherten Leiharbeitnehmer. In Deutschland gibt es derzeit mehr als 900.000 Leiharbeitnehmer.

Der DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy warnt in der Veröffentlichung vor einer zu einseitigen Diskussion bei der Entlohnung von Leiharbeit. Es gehe dabei nicht nur um die Höhe der Stundensätze. Vielmehr müsse auch über Arbeitszeitregelung, niedrige Entlohnung, unbezahlte Nichteinsatzzeiten sowie Nichtzahlung von Überstundenzuschlägen oder die Anrechnung der Auslösungssumme gesprochen werden. Dies seien alles verdeckte Möglichkeiten, um die Löhne zu drücken.


Quelle:

PM des Deutschen Gewerkschaftsbundes vom 07.02.2011

dpa-Meldung vom 06.02.2011

© arbeitsrecht.de - (akr)

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