Arbeit & Politik

Partner des Ausbildungspaktes ziehen Bilanz

Ausbildungsbetriebe, die Bundesagentur für Arbeit, die Wirtschaftsverbände - sie alle zeigen sich zufrieden mit dem Ausbildungspakt. Wer im Jahr 2010 eine Lehrstelle wollte, konnte auch eine bekommen. Realistische Einschätzung oder Schönrechnerei?

Obwohl viele Betriebe die Entscheidung über Ausbildung noch im Schatten der Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen haben, haben die Paktpartner eine "erfreuliche Bilanz" für das vergangene Jahr gezogen. Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt habe sich 2010 weiter verbessert, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung der Wirtschaftsverbände, beteiligten Bundesministerien, der Kultusministerkonferenz und der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Die Gewerkschaften sind am Ausbildungspakt nicht beteiligt. Verhandlungen über eine Partnerschaft waren Ende Oktober 2010 gescheitert. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock hatte den Beteiligten nach dem Scheitern der Verhandlungen vorgeworfen, sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt schön zu rechnen. Bundesregierung und Arbeitgeber stuften mehr als 72.000 Jugendliche schon als versorgt ein, obwohl sie in berufsvorbereitenden Maßnahmen, Praktika und Einstiegsqualifizierungen steckten.

Laut Mitteilung der Paktpartner habe die demografische Entwicklung in manchen Regionen dazu geführt, dass zahlreiche ausbildungswillige Betriebe keine passenden Bewerber gefunden hätten. Jedem ausbildungswilligen und -fähigen Jugendlichen konnte ein Angebot auf Ausbildung oder Qualifizierung gemacht werden. Das heißt: Jugendlichen, die zu den Nachvermittlungen von Kammern und Agenturen für Arbeit erschienen, wurde mindestens ein Angebot unterbreitet. 98 Prozent bekamen laut Statistik dabei einen Ausbildungsplatz oder eine betriebliche Einstiegsqualifizierung angeboten. Laut Ausbildungsmarktstatistik waren zum 30. September 2010 12.300 Bewerber noch unversorgt. Bis zum Ende der Nachvermittlung konnte diese Zahl nach BA-Angaben auf 5.800 reduziert werden.

70.300 neue Ausbildungsplätze sind aus dem Pakt hervorgegangen, dazu 42.800 Betriebe, die erstmals Ausbildungsplätze angeboten haben. Mit 7,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag die Ausbildungsquote über der im Pakt gegebenen Zusage von sieben Prozent, heißt es in der Mitteilung.

In Zukunft werden Jugendliche mit Migrationshintergrund, Altbewerber sowie lernbeeinträchtigte, sozial benachteiligte und behinderte Jugendliche im Fokus der Paktbemühungen stehen.

Quelle:
PM des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 01.02.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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