Arbeit & Politik

Neue Sichtweisen dank Mitbestimmung

Arbeitnehmervertreter bringen neue Sichtweisen in die Führungsgremien der Konzerne und machen sie zu modernen, intelligenten Foren der Kommunikation. Zu dieser Einschätzung gelangen Untersuchungen der Hans-Böckler-Stiftung.

Beschäftigte hätten ein Interesse an der langfristigen Existenzsicherung ihres Unternehmens. Mitbestimmung helfe, eine allzu kurzsichtige Perspektive bei der Unternehmenssteuerung zu verhindern, heißt es in einer Mitteilung der Hans-Böckler-Stiftung. Dass Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten großer deutscher Unternehmen die Hälfte der Mitglieder stellen, mache diese Gremien zu intelligenten, modernen Foren der Kommunikation. Hier lassen sich gemeinsame Strategien entwickeln, aber auch Konflikte auf gleicher Augenhöhe verhandeln und lösen.

Positive Äußerungen zur deutschen Unternehmensmitbestimmung auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zeigen aus Sicht der Stiftung, dass sich auch international eine realistische Einschätzung der Arbeitnehmermitbestimmung im Aufsichtsrat durchsetzt. Medienberichten zufolge hatte John Studzinski vom Finanzinvestor Blackstone auf dem Weltwirtschaftsforum die Stärke der deutschen Wirtschaft auch auf die Arbeitnehmerpräsenz in den Aufsichtsräten großer Unternehmen zurückgeführt. "Das ist zwar ungewohnt für Manager, aber es bringt eine Menge neuer Sichtweisen ein", sagte Studzinski laut Financial Times Deutschland.

Diese Einschätzung des Finanzmanagers deckt sich mit Ergebnissen wissenschaftlicher Studien, die die Hans-Böckler-Stiftung gefördert hat. So kam ein Forscherteam des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung Berlin (WZB) zu dem Schluss, dass die heterogene Zusammensetzung deutscher Aufsichtsräte für die Unternehmen nützlich sei, weil die unterschiedlichen Gruppen - betriebliche Arbeitnehmervertreter, Gewerkschaftsvertreter sowie Vertreter der Kapitaleigner - spezifisches Wissen einbrächten. Keine der Gruppen könne alle Wissensarten allein abdecken, so die Analyse. Zudem zeigen Untersuchungen immer wieder, dass die Mitbestimmung mehr Frauen in Aufsichtsräte bringt: Gut 70 Prozent der Frauen in mitbestimmten Aufsichtsräten sind Arbeitnehmervertreterinnen.

Positiv zur Mitbestimmung haben sich in letzter Zeit beispielsweise auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Siemens-Vorstandschef Peter Löscher geäußert: Löcher hält die Mitbestimmung für einen Standortvorteil Deutschlands, die Kanzlerin hatte Mitbestimmung als einen ein nicht wegzudenkenden Teil unserer sozialen Marktwirtschaft bezeichnet, die sich in Deutschland bewährt habe. 

Quelle:
PM der Hans-Böckler-Stiftung vom 28.01.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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