Arbeit & Politik

Schattenwirtschaftskrise

Durch die dynamische Entwicklung der Wirtschaft und den Rückgang der Arbeitslosigkeit verringert sich der Umfang der Schattenwirtschaft. Das zeigt eine Untersuchung der Universität Linz und dem Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen.

Das beträchtliche Wachstum der offiziellen Wirtschaft führte in Deutschland im Jahresvergleich zwischen 2009 und 2010 zu einem Rückgang der Schattenwirtschaft um 4,2 Milliarden Euro. In Folge der günstigen Wirtschaftsentwicklung sagen Experten für das Jahr 2011 einen weiteren Rückgang der Schattenwirtschaft um 1,8 Milliarden Euro auf  345,8 Milliarden vorher.

Unter Schattenwirtschaft sind sowohl Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung als auch kriminelle Aktivitäten wie Hehlerei, Drogenhandel, Betrug, Schmuggel oder Menschenhandel zu verstehen.

Bei der Prognose wird vorausgesetzt, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt
auf 2,95 Millionen zurückgeht und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um zwei Prozent
wächst. Dies allein würde die Schattenwirtschaft um 2,95 Milliarden Euro vermindern. In die
Berechung wird ferner einbezogen, dass in der Zeitarbeitsbranche ein Mindestlohn von
6,65 Euro (Ostdeutschland) und 7,60 Euro (Westdeutschland) eingeführt wird, was die
Schattenwirtschaft nach den Schätzungen um 300 Millionen Euro erhöhen würde. Daraus ergibt sich der Rückgang um insgesamt 1,8 Milliarden Euro.

Darüber hinaus führen die Beitragserhöhung der gesetzlichen Krankenversicherung von 14,9 auf 15,5 Prozent und die Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung von 2,8 auf drei
Prozent zu einem Anstieg der Schattenwirtschaft um weitere 850 Millionen Euro. Insgesamt
Erwarten die Experten einen Rückgang der Schattenwirtschaft um 1,8 Milliarden Euro
Die Größe der Schattenwirtschaft könnte 2011 auch von der ab 1. Mai 2011 geltenden Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus acht mittel- und osteuropäischen EU-Staaten beeinflusst werden. Bisher in der Schattenwirtschaft geleistete Tätigkeiten, etwa in der Pflegebranche, könnten dadurch legalisiert werden. Es sei zu vermuten, dass auch weiterhin viele Arbeitsverhältnisse nicht deklariert würden, um den Mindestlohn in der Pflegebranche von 8,50 / 7,50 € (West/Ost) zu umgehen. Allerdings sei das Ausmaß bisher nicht abschätzbar. Der Grund für die illegale Beschäftigung osteuropäischer Pflegekräfte sei vor allem in den geringeren Kosten zu sehen.

Aufgrund des einsetzenden Wirtschaftsaufschwungs ist die Schattenwirtschaft im Jahr 2010 auch in den meisten anderen OECD-Ländern gesunken. Für das Jahr 2011 wird prognostiziert, dass die Schattenwirtschaft aufgrund der wirtschaftlichen Erholung und eines positiven BIP-Wachstums in den meisten OECD-Ländern weiter zurückgehen wird. Durchschnittlich erreicht sie einen Wert von 13,4 Prozent - der niedrigste Stand seit Beginn der neunziger Jahre.

Quelle:
PM des IAW vom 24.01.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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