Arbeit & Politik

Niedrige Inflation keine Ursache von Arbeitslosigkeit

Wirtschaftsexperten warnen davor, dass eine niedrige Inflationsrate unter Umständen zu höherer Arbeitslosigkeit führt. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt jedoch, dass der Effekt zu vernachlässigen ist.

Eine niedrige Inflationsrate erschwert es Unternehmen, ihre Lohnkosten zu senken, wenn sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Bei einer hohen Inflation reicht es bereits aus, keine Lohnerhöhungen vorzunehmen. Die Reallöhne sinken auf diese Weise automatisch: Die Nominallöhne bleiben zwar gleich, zugleich steigen jedoch die Preise. Bei einer niedrigen Inflation wären für entsprechende Kosteneinsparungen dagegen sinkende Nominallöhne erforderlich, also echte Lohnsenkungen: Die Beschäftigten bekommen weniger Lohn überwiesen als zuvor. Davor würden Firmen häufig zurückschrecken, um die Motivation und Produktivität der Beschäftigten nicht zu gefährden. Davon gehen führende Wirtschaftswissenschaftler wie die Nobelpreisträger James Tobin und George Akerlof aus.

Ökonomen sprechen hier von „Abwärts-Nominallohn-Starrheit“. Statt die Löhne zu senken, würden Firmen dann verstärkt Arbeitsplätze abbauen, um Einsparungen zu erreichen. Niedrige Inflation führe in Kombination mit Abwärts-Nominallohn-Starrheit zu höherer Arbeitslosigkeit, lautet die These von Tobin und Akerlof.

Eine aktuelle IAB-Studie (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) zeigt anhand empirischer Daten, dass der von Tobin und Akerlof befürchtete Effekt zu vernachlässigen ist. In Deutschland führe eine Senkung der Inflation um einen Prozentpunkt nur zu einem Anstieg des durchschnittlichen Reallohn-Wachstums zwischen 0,003 Prozent und 0,06 Prozent.

Laut Studie üben Unternehmen vielmehr von vornherein Zurückhaltung bei Lohnerhöhungen, um zu vermeiden, später die Löhne vielleicht wieder senken zu müssen. Zudem berücksichtigen sie bei Lohnverhandlungen, ob sie in der Vergangenheit auf eigentlich gewünschte Lohnkürzungen verzichtet haben, und führen in diesem Fall keine oder nur geringe Lohnerhöhungen durch. Unterm Strich beeinflusse die Lohnstarrheit das durchschnittliche Lohnniveau kaum. Daher seien auch keine negativen Auswirkungen auf die Beschäftigung zu erwarten. Abwärts-Nominallohn-Starrheit liefert demnach kein überzeugendes Argument für eine höhere Ziel-Inflationsrate der Zentralbanken, so die IAB-Studie.

Quelle:
PM des IAB vom 24.01.2011, IAB-Kurzbericht 2/2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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