Arbeit & Politik
Gute Tariflohnbilanz 2010
Die Tarifentwicklung in Deutschland hat im vergangenen Jahr einen positiven Verlauf genommen. Die Tariflöhne und -gehälter sind 2010 laut WSI im Durchschnitt um 1,8 Prozent gestiegen. Nach Abzug der Verbraucherpreise bleibt ein Lohnzuwachs von 0,7 Prozent.
Am höchsten fiel die jahresbezogene Tarifsteigerung laut einer Mitteilung der Tarifexperten des Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung im Bereich Energie- und Wasserversorgung, Bergbau aus, gefolgt vom Handel, dem Baugewerbe sowie dem Nahrungs- und Genussmittelgewerbe und dem Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung. 
Genau im Durchschnitt lagen das Verbrauchsgütergewerbe sowie Kreditinstitute, Versicherungsgewerbe, geringer fielen die Tarifsteigerungen im Investitionsgütergewerbe und im Bereich Gebietskörperschaften, Sozialversicherung aus.
In Ostdeutschland lag die kalenderjährliche Erhöhung mit zwei Prozent etwas höher als in Westdeutschland mit 1,7 Prozent. "In Wirtschaftszweigen mit geringen Tarifsteigerungen ergibt sich ein reales Minus", sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Reinhard Bispinck. Er führt das auf die Wirtschaftkrise zurück, welche die Lohnentwicklung dämpfe. In vielen Tarifrunden hatte laut Bispinck zudem die Sicherung von Arbeitsplätzen oberste Priorität.
Bei den effektiven Bruttoeinkommen sieht die Entwicklung etwas besser aus: Je Arbeitnehmer sind sie im vergangenen Jahr nominal um 2,2 Prozent gestiegen, preisbereinigt um 1,1 Prozent. Erstmals nach sechs Jahren des fortgesetzten effektiven Reallohnverlustes konnte damit ein reales Plus erzielt werden. Ursache dafür seien im Wesentlichen der starke Rückgang der Kurzarbeit und die Verlängerung der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit im vergangenen Jahr, die zu einer entsprechenden Normalisierung auch bei den effektiv gezahlten Löhnen und Gehältern geführt habe.
Positiv beeinflusst wird die jahresbezogene Tarifsteigerung 2010 laut WSI
durch die länger laufenden Abschlüsse aus 2009. Die daraus resultierende
Tarifanhebung für 2010 beläuft sich auf 2,3 Prozent, die Neuabschlüsse
des Jahres 2010 ergeben lediglich 1,3 Prozent - Im Mittel also 1,8
Prozent.
Insgesamt schlossen die DGB-Gewerkschaften in Deutschland im vergangenen Jahr Lohn- und Gehaltstarifverträge für rund 8,8 Mio. Beschäftigte ab, darunter etwa 7,5 Mio. in den alten Bundesländern. Für rund 78 Prozent dieser Beschäftigten gab es Tarifabschlüsse mit verzögerter Anpassung der Lohn- und Gehaltserhöhungen. Als Ausgleich vereinbarten die Gewerkschaften für knapp 60 Prozent der davon betroffenen Beschäftigten Pauschalzahlungen. Diese betrugen durchschnittlich 38 Euro im Monat. Für weitere 7,5 Mio. Beschäftigte traten im Jahr 2010 Erhöhungen in Kraft, die bereits 2009 oder früher vereinbart worden waren.
2011 stehen neben den Verhandlungen im öffentlichen Dienst (Länder) auch Tarifrunden in den Branchen chemische Industrie, Bauhauptgewerbe, Versicherungen, Druckindustrie, Einzel- und Großhandel sowie zahlreichen kleineren Wirtschaftszweigen an.
Verhandelt wird auch bei großen Unternehmen wie Volkswagen, der Deutschen Telekom und der Deutschen Bahn. Die vorliegenden Tarifforderungen bewegen sich zwischen fünf und sieben Prozent.
Die Ausgangssituation für die Tarifrunde 2011 ist für die Gewerkschaften nach Auffassung des WSI-Tarifexperten günstiger als im Vorjahr, denn für dieses Jahr sei mit einer Fortsetzung des wirtschaftlichen Erholungsprozesses zu rechnen.
Quelle:
PM des WSI vom 20.01.2011
© arbeitsrecht.de - (mst)
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