Arbeit & Politik

Arbeitsagentur entwirft Maßnahmenkatalog gegen Fachkräftemangel

Der deutsche Arbeitsmarkt ist im Strukturwandel. Während die vergangenen Jahre von hohen Arbeitslosenquoten geprägt waren, erlebt der Markt jetzt eine starke Nachfrage nach Fachkräften. Die werden sogar in einigen Regionen knapp.

Die Arbeitsagentur hat in der aktuellen Broschüre "Perspektive 2025 – Fachkräfte für Deutschland" die Auswirkungen des Rückgangs der Fachkräfte - also Personen mit mindestens abgeschlossener Berufsausbildung oder vergleichbarem Sekundärabschluss - skizziert. Sie analysiert Reaktionsmöglichkeiten und bietet Lösungsansätze.

Gemäß des demografischen Szenarios des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird das so genannte Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland (EPP) ohne Zuwanderung und bei konstanter Erwerbsquote von heute knapp 45 Millionen Personen bis zum Jahr 2050 auf knapp 27 Millionen Personen sinken. Der Rückgang beginnt allmählich und beschleunigt sich ab dem Jahr 2020: Bis 2020 sinkt das EPP um 3,6 Millionen Personen auf 41 Millionen und danach auf nur noch 38,1 Millionen Personen im Jahr 2025.

Eine rechnerische Lücke bedeutet aber nicht automatisch eine entsprechende Zahl offener Angebote an Arbeitsplätzen. Wenn Unternehmen nicht die Arbeitskräfte finden, die sie für die Produktion von Gütern und Dienstleistungen benötigen, ist laut Broschüre der Arbeitsagentur damit zu rechnen, dass sie Ausweichstrategien entwickeln. Das kann nachhaltig negative Folgen für Deutschlands Volkswirtschaft haben.

Denkbar wäre, dass die Firmen innerhalb Deutschlands weniger investieren, weil die Kapitalerträge sinken würden. Die gesamtwirtschaftliche Produktion folgte damit dem Abwärtstrend im Arbeitsangebot.

Der Mangel an Arbeitskräften könnte gleichzeitig zu einer Verdichtung der automatisierten Prozesse führen. Damit gingen laut Broschüre auch Beschäftigungsmöglichkeiten für geringer Qualifizierte verloren. Ihre Arbeitsplätze hingen direkt vom Niveau der Fachkräftebeschäftigung ab.

Weiterhin könnte es dazu kommen, dass Firmen auf die Einführung von innovativen Produkten verzichten, einfach weil diese ohne die entsprechende Kapazität an Fachkräften nicht realisierbar erscheint. Dies würde nicht nur die Wachstumspotenziale verringern, sondern mittelfristig ganze Standorte gefährden.

Um diesen negativen Auswirkungen zuvor zu kommen, soll auf ungenutzte Reserven zurückgegriffen werden. Ein Mix aus entsprechender vorausschauender qualitativer Ausbildung, einer besseren Arbeitsmarkttransparenz und einer Erhöhung des Arbeitszeitvolumens sowie Fachkräftezuzug, soll es richten.

Besonderer Fokus wird dabei auf die bessere Ausschöpfung der bereits vorhandenen Fachkräfte gelegt. Dies gilt vor allem für Personengruppen, deren Anteil am Fachkräfteangebot heute vergleichsweise gering ist: beispielweise Personen über 55 Jahre, Frauen, Geringqualifizierte und Menschen mit Migrationshintergrund. Hier gilt es laut der Broschüre, durch gesetzliche und tarifliche Lösungen, durch Bildung und Ausbildung, durch Betreuungs- und Informationsangebote den passenden Rahmen zu schaffen. Dies erfordere ein enges Zusammenspiel aller Arbeitsmarktakteure und Politikbereiche.


Quelle:

Broschüre der Arbeitsagentur "Perspektive 2025 - Fachkräfte für Deutschland" vom 21.01.2011

© arbeitsrecht.de - (akr)

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