Arbeit & Politik

Bessere Chancen für Schulabgänger

Das Übergangssystem zwischen Schule und Berufsausbildung ist dringend reformbedürftig. Zu diesem Schluss gelangt eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Bertelsmann Stiftung.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und die Bertelsmann Stiftung haben Berufsbildungsfachleute und Jugendliche befragt, wie sie den Übergang von der Schule in die Berufsausbildung bewerten. Zudem sollten sie auch die Realisierbarkeit von alternativen Vorschlägen innerhalb der nächsten Jahre einschätzen.

Die aktuell angebotenen Maßnahmen im Übergangssystem verursachen nach Schätzungen von Fachleuten jährlich Kosten von über vier Milliarden Euro. Zum Übergangssystem gehören laut Bildungsbericht 2006 alle beruflichen Ausbildungsangebote, "die unterhalb einer qualifizierten Berufsausbildung liegen beziehungsweise zu keinem anerkannten Ausbildungsabschluss führen, sondern auf eine Verbesserung der individuellen Kompetenzen von Jugendlichen zur Aufnahme einer Ausbildung oder Beschäftigung zielen und zum Teil das Nachholen eines allgemein bildenden Schulabschlusses ermöglichen". Dazu zählen etwa die berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit und der Länder oder die im Rahmen des Ausbildungspaktes eingeführten betrieblichen Einstiegsqualifizierungen für Jugendliche.

Oft seien es Jugendliche aus weniger privilegierten Familien, die Probleme bei der Berufswahl und Ausbildungssuche haben, heißt es in einer Mitteilung zur Studie. Vor diesem Hintergrund fordern die Experten, bereits in den allgemeinbildenden Schulen mehr für die Prävention zu tun, um den Übergang von der Schule ins Berufsleben zu erleichtern.

Sprungbrett oder Warteschleife?

81 Prozent der Bildungsexperten und drei Viertel der Jugendlichen halten auch in Zukunft ein Übergangssystem im deutschen Bildungssystem für unverzichtbar. Inwiefern die Angebote im aktuellen Übergangssystem ihren Teilnehmern wirklich helfen, wird unterschiedlich beurteilt. Viele Experten und Jugendliche (43/40 Prozent) schätzen die Maßnahmen und Bildungsgänge als Warteschleifen ein, in denen Jugendliche ihre Zeit verschwenden. Doch es gibt ungefähr genauso viele unter ihnen (41/42 Prozent), die davon ausgehen, dass im Übergangssystem nicht nur gewartet wird, sondern dass dort auch sinnvolle Qualifizierungen erfolgen. Die Jugendlichen, die sich zum Zeitpunkt der Befragung selber im Übergangssystem befanden, nehmen eine noch etwas positivere Einschätzung vor: Nur etwas mehr als ein Drittel der Befragten bewertet die Übergangsmaßnahmen als Warteschleifen.

Nach Auffassung des Vorstandsmitglieds der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger, könne es sich Deutschland nicht mehr leisten, viele Jugendliche erst über Umwege oder Warteschleifen in eine Ausbildung zu bringen oder sie sogar ganz ohne Berufsausbildung auf den Arbeitsmarkt zu entlassen. Er fordert klare und transparente Übergangswege, die den Jugendlichen nützen und ihnen die Chance auf einen Ausbildungsplatz geben. Die vielen Programme und Initiativen, die schon heute neue Ansätze zur Unterstützung der Jugendlichen beim Übergang von der Schule in die Berufsausbildung erproben, müssten besser miteinander verbunden werden, so BIBB-Präsident Manfred Kremer.

Entwicklungen wie der demografische Wandel, Neuerungen im Bildungssystem sowie Verschiebungen bei den Kompetenzen der Schulabgänger und den Anforderungen der Betriebe müssten stärker Berücksichtigung finden. Die hierauf gerichteten Unterstützungsangebote sollten keinesfalls nur im Sinne der Förderung benachteiligter Jugendlicher gedacht werden. Denn angesichts der Vielzahl von Ausbildungsoptionen dürften alle Jugendlichen Beratungs- und Unterstützungsbedarfe haben, heißt es in der Studie. Wenn einerseits alle Schüler durch intensive Berufsorientierung auf ihren Weg in die Arbeitswelt vorbereitet und schwächere Jugendliche beim Übergang begleitet würden und andererseits die Betriebe bei der Durchführung der Ausbildung bei Bedarf auf externe Ansprechpartner zurückgreifen könnten, würde dies aus Sicht der Fachleute die Übergangsprozesse verbessern. 

Quelle:
Studie "Reform des Übergangs von der Schule in die Berufsausbildung" und PM des BiBB vom 13.01.2011

© arbeitsrecht.de - (mst)

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