Arbeit & Politik
Arbeitslos und krank – ein Teufelskreis
Ob der Arbeitsplatzverlust die Gesundheit schwächt oder die schlechte Gesundheit zum Arbeitsplatzverlust führt, ist nicht klar – jedenfalls besteht laut einem Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ein "Teufelskreis".
Nach einem aktuellen Fachbeitrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin kann es als wissenschaftlich gesichert betrachtet werden, das Arbeitslose einen deutlich schlechteren Gesundheitszustand haben als Erwerbstätige.
Zur Bewertung des Befindens wurden unter anderem die Indikatoren subjektive Gesundheit, gesundheitliche Beschwerden und gesundheitsrelevantes Verhalten, Frühberentung und Mortalität verglichen.
Unter Einbeziehung zahlreicher Studien ergab sich, dass Arbeitslose ihren Gesundheitszustand deutlich häufiger als Erwerbstätige als mittelmäßig bis sehr schlecht einschätzten. Der Anteil an Arbeitslosen mit Störungen der psychischen Gesundheit - in Form von Phobien, Panikstörungen, Depressionen - ist gegenüber Arbeitenden um das Zwei- bis Dreifache erhöht.
Ob ursächlich ein schlechter Gesundheitszustand zum Verlust des Arbeitsplatzes führt, oder der häufig bei Arbeitslosen zu beobachtende eingeschränkte Gesundheitszustand eine Folge des Arbeitsplatzverlustes ist, ist nicht genau feststellbar. Fakt ist, beide Faktoren hängen wechselseitig zusammen und bilden laut den Autoren des Beitrages einen "Teufelskreis".
So übersteigt auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte von Arbeitslosen die von Erwerbstätigen, sowohl insgesamt als auch hinsichtlich der Einzeldiagnosen um das Mehrfache. Erwerbslose werden 22-mal öfter wegen Medikamentenabhängigkeit, neunmal so oft wegen Alkoholabhängigkeit behandelt. Das Suizidrisiko ist gegenüber Arbeitnehmern um das Zwei- bis Dreifache erhöht.
Die vorliegenden Erkenntnisse bieten laut den Autoren des Fachbeitrages hinreichenden Anlass, den gesundheitsschädigenden Wirkungen der Arbeitslosigkeit entgegenzutreten.
Jedoch bestünde noch ein Forschungsbedarf hinsichtlich der gravierenden Veränderungen der Arbeitswelt in den letzten zehn bis 15 Jahren und dem damit einhergehenden Anstieg der psychischen Belastung, um eine genaue Entwicklung abbilden zu können.
Quelle:
Fachbeitrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin vom 9.12.2010
www.baua.de
© arbeitsrecht.de - (akr)
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