Arbeit & Politik

Minijobs sind "ein typisch westdeutsches Phänomen"

Minijobs sind vor allem in ländlichen Regionen Westdeutschlands weit verbreitet. Dabei werden in manchen Gebieten vier von zehn Arbeitsplätze an Frauen auf 400-Euro-Basis vergeben, wie eine Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zeigt.

Die WSI-Datenbank "Atypische Beschäftigung" führt den Anteil der Minijobber an allen Beschäftigungsverhältnissen auf und ist auch über eine interaktive Landkarte abrufbar.

Im vergangenen Jahr war bundesweit jedes fünfte Beschäftigungsverhältnis ein geringfügiges. Insgesamt 7,19 Millionen Arbeitsverträge liefen 2009 auf 400-Euro-Basis. Vor allem Betriebe in der westdeutschen Provinz bieten Minijobs an, die häufig von Frauen besetzt werden. Für die Betroffenen ist das problematisch, weil sie kaum Ansprüche auf soziale Sicherung erwerben und in aller Regel selbst pro Stunde nur sehr wenig Geld verdienen. 

81 Prozent der geringfügig Beschäftigten, die keiner anderen Erwerbsarbeit nachgehen, bekommen laut Statistischem Bundesamt nur einen Niedriglohn. Das heißt, sie verdienen weniger als zwei Drittel des mittleren Lohnes, der bei 9,06 Euro brutto pro Stunde liegt. Die zentralen Trends der Deutschland-Analyse:

Ost-West

In Westdeutschland gab es im vergangenen Jahr 6,28 Millionen Minijobber, im Osten nicht einmal eine Million. Sämtliche westdeutschen Bundesländer haben einen höheren Anteil von 400-Euro-Jobs an allen Beschäftigungsverhältnissen als die sechs ostdeutschen Länder.

Stadt-Land

Der Anteil der Minijobber ist im Westen besonders in ländlichen Kreisen sehr hoch. Das dürfte laut mit daran liegen, dass gerade hier viele Paare eine traditionelle Arbeitsteilung pflegen - der Mann verdient das Geld, die Frau kümmert sich um die Familienarbeit und steuert allenfalls einen Zuverdienst bei.  Auf dem Land sind Familie und Beruf meist schwieriger zu vereinbaren als in den Städten, was vor allem an dem meist unzureichenden Angebot an Kinderbetreuung liegt.

Frauen und Männer

Mehr als jedes vierte Beschäftigungsverhältnis einer West-Frau ist ein geringfügiges.  Auffällig ist zudem: Wo viele Frauen einen Minijob haben, muss das nicht für Männer gelten. Während Frauen vor allem auf dem Land häufig geringfügig beschäftigt sind, gilt das für Männer eher in den Städten. Dahinter scheint weniger ein Familienmodell zu stehen als ein unzureichendes Stellenangebot am Arbeitsmarkt.

Ausschließlich Minijob oder Nebenerwerb

2,26 Millionen Beschäftigte haben einen Minijob, gehen aber noch einer weiteren Arbeit nach. Damit werden 6,5 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse ohne einen sachlichen Grund steuerlich gefördert und von Sozialbeiträgen weitgehend freigestellt.

Das Gros der 400-Euro-Kräfte aber bezieht kein anderes Arbeitseinkommen. Diese geringfügig Beschäftigten sind entweder auf das Einkommen von anderen Haushaltsangehörigen oder aber auf Arbeitslosengeld II angewiesen. Ihre Zahl ist selbst in der Krise der vergangenen beiden Jahre nochmals gestiegen, ein Übergang auf eine Vollzeit- oder Teilzeitstelle mit mehr Stunden gelingt selten.

Quelle:
www.boeckler.de v. 07.12.2010

© arbeitsrecht.de - (ts)

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