Arbeit & Politik

Schlechte Karten für junge Migranten beim Berufseinstieg

Welche Art der Ausbildung Jugendliche anstreben und wie erfolgreich sie bei der Ausbildungsplatzsuche sind, hängt stark vom Schulabschluss ab. Dabei haben junge Frauen und Männer mit Migrationshintergrund geringere Chancen.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) hat den Einfluss der sozialen Herkunft auf die Chancen von Jugendlichen bei der Ausbildungsplatzsuche unter Berücksichtigung von Geschlecht und Migrationsstatus analysiert.

Laut Report des BiBB haben junge Erwachsene mit Migrationshintergrund in der Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen mit 31 Prozent derzeit mehr als doppelt so oft wie die Vergleichsgruppe ohne Migrationshintergrund keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Ausschlaggebend für eine erfolgreiche Ausbildungsplatzsuche sei das Bildungsniveau des Elternhauses. Je nach sozialem Status schätzten die Eltern und Jugendlichen die Vor- und Nachteile einer langfristigen Bildungsinvestition unterschiedlich ein. Dies wirke sich auf die Kompetenzentwicklung der Kinder und Jugendlichen aus und schlage sich in den schulischen Leistungen nieder.

Die an den allgemeinbildenden Schulen erworbenen Qualifikationen weichen je nach familiärem Hintergrund erheblich voneinander ab. So hätten Jugendliche überproportional oft die (Fach-) Hochschule besucht, wenn ihre Eltern über eine hohe Bildung verfügten und der Vater einen hohen beruflichen Status besitzt.

Umgekehrt hätten Kinder aus bildungsfernen, sozial schwächeren Familien besonders häufig nicht mehr als einen Hauptschulabschluss erlangt. Bereits in den allgemeinbildenden Schulen hätten sie erheblich geringere Chancen, die sich in schlechteren Noten und niedrigeren Abschlüssen niederschlagen. Dabei schneiden die männlichen Migranten noch ungünstiger ab als die weiblichen.

Der weitere Bildungsweg sei dann abhängig vom Schulabschluss und den erreichten Zensuren. Das liege selbstverständlich auch an den verschiedenen Zugangsvoraussetzungen auf dem Ausbildungsmarkt. Jedoch orientieren sich Betriebe bei der Vergabe der Plätze nicht nur an den Noten. Tendenziell geben sie leistungsschwächeren Jugendlichen mit Migrationshintergrund eher selten eine Chance.

Das BiBB hält es für notwendig, dass die Betriebe ihre Auswahlkriterien neu überdenken. Angesichts der demografischen Entwicklung sei die Wirtschaft künftig auf das gesamte Arbeitskräftepotential angewiesen. Es sollte daher im besonderen Interesse der Betriebe liegen, möglichst allen jungen Menschen, auch den weniger leistungsstarken, eine fundierte berufliche Qualifizierung unabhängig von Geschlecht und Herkunft zu bieten.


Quelle:
Report des Bundesinstituts für Berufsbildung Nr. 15/10

© arbeitsrecht.de - (akr)

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