Arbeit & Politik

Wer verdient wieviel?

Die Bundesagentur für Arbeit hat die Beschäftigungsstatistik für das Jahr 2009 vorgelegt. Ergebnis: Frauen verdienen weniger als Männer, Junge weniger als Alte und im Osten der Republik gibt es weniger Lohn als im Westen.

Das monatliche Bruttoarbeitsentgelt von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt lag laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Jahr 2009 im Mittel bei 2.308 Euro. Für sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte (ohne Auszubildende) ergab die Datenerhebung mit 2.676 Euro ein deutlich höheres Medianeinkommen. Auf regionaler Ebene gäbe es beträchtliche Unterschiede: In Westdeutschland verdienen sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte im Mittel 2.805 Euro und in Ostdeutschland 2.050 Euro. Schlusslicht bei den Durchschnittslöhnen ist mit 1.907 Euro Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg ist mit 3.079 Euro ganz vorn.

Auch nach soziodemografischen Merkmalen zeigten sich markante Unterschiede, teilt die BA mit. Vollzeitbeschäftigte Männer verdienen im Mittel mit 2.904 Euro mehr als vollzeitbeschäftigte Frauen mit 2.280 Euro, Ältere mit 2.874 Euro mehr als Jüngere mit 1.809 Euro und Deutsche mit 2.697 Euro mehr als Ausländer mit 2.397 Euro.

Einen großen Einfluss auf die Höhe des Arbeitsentgelts hat auch der berufliche Bildungsabschluss, vollzeitbeschäftigte Akademiker haben beispielsweise ein Medianeinkommen von 4.530 Euro, Vollzeitbeschäftigte mit nichtakademischem und ohne Berufsabschluss rund 2.000 Euro weniger.

In der Differenzierung nach Wirtschaftsabschnitten werden in der Energieversorgung, der Finanz- und Versicherungsdienstleistungsbranche und im Bereich Information und Kommunikation die höchsten Bruttoeinkommen erzielt. Das Monatsgehalt liegt hier bei etwa 4.000 Euro.

Etwa jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland ist inzwischen dem Niedriglohnbereich zuzurechnen. Die Schwelle von zwei Drittel des jeweiligen Medianentgelts wurde im Jahr 2009 in Westdeutschland von 20,2 Prozent, in Ostdeutschland von 21,3 Prozent der Vollzeitbeschäftigten unterschritten. Dabei liegen laut BA Frauen mit rund einem Drittel, Jüngere (48,7/45,2 Prozent – Ost/West), Ausländer (31,4/38,9 Prozent – Ost/West) und Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung überdurchschnittlich häufig mit ihren Arbeitsentgelten unter der Niedriglohnschwelle. 

Quelle:
Beschäftigungsstatistik: Sozialversicherungspflichtige Bruttoarbeitsentgelte, November 2010

© arbeitsrecht.de - (mst)

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