Arbeit & Politik

Gestaltung der Bildschirmarbeitsplätze ist mangelhaft

Die Arbeitsflächen zu klein, die Stühle ungeeignet, Raumtemperaturen und Geräuschpegel zu hoch und das Licht zu schwach: Das ist das Fazit einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

Die BAuA hat in einer empirischen Erhebung in 17 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größe die Arbeitsplatzbedingungen nach Maßgabe der Systemischen Arbeitsplatzanalyse "Fa 31" untersucht. Dabei sollte herausgefunden werden, ob und inwieweit Bildschirmarbeitsplätze in der Produktion eine zusätzliche Quelle für Belastungen darstellen. Ziel war es, Gestaltungsdefizite zu erkennen und Verbesserungsvorschläge zu machen.

So wurde bei den mobilen Arbeitsplätzen, zu denen auch Gabelstapler zählen, die Überlappung der Bedienung bemängelt, die das Arbeiten auf dem engen Raum noch zusätzlich erschwert. Als unzureichend wurde auch die Qualität der Sitze beurteilt. Eine weitere Belastung wurde in den wechselnden Klimabedingungen durch Zugluft und Temperaturschwankungen erkannt.

Bei der Überwachung von Produktionsprozessen bestand das Grundproblem in der mangelhaften Beleuchtung. Die Displayanzeige und die Umgebung sind nur schwach ausgeleuchtet und erschweren die bei einer monotonen Arbeit sowieso beeinträchtigte Konzentration zusätzlich.

Für die Messung der Schallpegel wurde an unterschiedlichen Arbeitsplätzen jeweils circa eine Stunde die Geräuschkulisse ausgewertet. In den Branchen mit Metallverarbeitung, wie beim Auto- und Maschinenbau, schwanken die Werte zwischen 67 und 73 Dezibel und sind damit deutlich höher als im Bereich Elektronik und Optik.

Laut der Studie der BAuA liegt die Ursache der mangelhaften Arbeitsplatzgestaltung in der historischen Entwicklung. Ausgangspunkt war die Einführung technisch hochwertiger Maschinen, die lediglich überwacht werden mussten. Die dafür angebrachten Displays erscheinen nicht wie ein typischer Büroarbeitsplatz und wurden deshalb auch nicht entsprechend ausgestaltet.

Legt man die Maßstäbe der Bildschirmarbeitsverordnung bei der Gestaltung der vorgefundenen Arbeitsplätze an, so können nur wenige als akzeptabel beurteilt werden. Die Studie lässt es sinnvoll erscheinen, nach verschiedenen Arbeitsplatztypen zu unterscheiden und davon abhängig bestimmte Anforderungen festzulegen. Dies sei gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel und zur Krankheitsprävention notwendig.


Quelle: BAuA 82/10 vom 28.10.2010

© arbeitsrecht.de - (akr)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Arbeit & Politik

Rauchen gefährdet Ihre Produktivität!

26.11.2010 | Dass Rauchen schlecht für die Gesundheit ist, steht auf jeder Zigarettenpackung. Nach neuen Erkenntnissen des TÜV Rheinland schädigen Raucher nicht nur sich selbst, sondern auch die Wirtschaftlichkeit ihres Arbeitgebers.  [mehr]

Deutscher Arbeitsschutzpreis 2011 für vier Unternehmen

19.10.2011 | Mit dem Preis würdigte die Jury Produkte oder Prozesse die dem Arbeitsschutz dienen. Er ist laut Experten ein Lohn für Entschlossenheit, Ausdauer und Offenheit für neue Ideen - und das unabhängig von der Größe des Betriebs oder des Budgets.  [mehr]

Krank durch Asbest: Neue Empfehlungen für Gutachter

03.05.2011 | Jedes Jahr erkranken 3.000 Arbeitnehmer, weil sie beruflich mit Asbest in Kontakt gekommen sind. Mit einer neuen Empfehlung können medizinische Gutachter nun besser und einheitlicher als bisher beurteilen, ob Asbest als Ursache für eine Krankheit in Frage kommt.  [mehr]

Gesünder arbeiten

12.05.2011 | Das Bundesarbeitsministerium will den Arbeitsschutz in Deutschland verbessern. Ein "Qualitätsbarometer" soll zeigen, wo Arbeitgeber beim Gesundheitsschutz nachbessern müssen.  [mehr]

Geistig fit mit "PFIFF"

13.05.2011 | Geistige Fähigkeiten können im Alter nachlassen. Einseitige Arbeit, ungünstige Arbeitsbedingungen, falsche Ernährung und mangelnde Bewegung spielen oft eine Rolle. Mit dem Projekt "PFIFF" sollen ältere Mitarbeiter fit im Kopf bleiben.  [mehr]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Rechtsprechung

MitbestimmungsrechtBetriebsrat darf Einigungsstelle zum Thema "Raumwärme" anrufen

09.01.2014 | Der Betriebsrat ist berechtigt die Einigungsstelle anzurufen, damit diese eine konkrete betriebliche Regelung zur Wärmeentlastung im Betrieb findet. Denn bei § 3 a ArbStättVO handelt es sich um eine Rahmenvorschrift, bei deren Ausfüllung dem Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht zusteht.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

ArbeitsschutzBerliner Supermärkte dürfen vor Sonn- und Feiertagen nicht bis Mitternacht öffnen

15.04.2014 | Mitarbeiter von Berliner Supermärkten dürfen vor Feiertagen spätestens um Mitternacht nach Hause. Die Ladenöffnungszeiten an Samstagen und vor Feiertagen sind nämlich so zu gestalten, dass Kundenbedienung und notwendige Tagesabschlussarbeiten bis 24 Uhr erledigt sind. So das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

Gesetzgebung

ArbeitsstättenverordnungKlarstellungen und Aktualisierungen – auf dem Weg

05.02.2015 | Wann kommt die neue Arbeitsstättenverordnung? Niemand weiß es zurzeit. Hier ein Ausblick auf Neues im Entwurf, den das Bundeskabinett noch verabschieden muss. Tritt er in Kraft, würde er für Klarheit und Rechtssicherheit sorgen.  [weiterlesen auf "Gute Arbeit"]

ArbeitsschutzSchwerer Schlag für den Arbeitsschutz

02.03.2015 | Die Arbeitsstättenverordnung ist gescheitert. Kurz vor Inkrafttreten der Verordnung wurde das Gesetz nun doch noch gestoppt. Damit ist das Vorhaben von Andrea Nahles, den Arbeitsschutz zu verbessern, gescheitert. Der DGB hält dies für einen riesengroßen Fehler und fordert die sofortige Umsetzung.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

Die Betriebssicherheitsverordnung: Neuordnung des betrieblichen Anlagensicherheitsrechts (06/2003)

12.03.2003 | Mit Inkrafttreten der neuen Betriebssicherheitsverordnung ist ein wichtiger Meilenstein zur Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten erreicht und zugleich das betriebliche Anlagensicherheitsrecht neu geordnet worden.  [mehr]

Aktiv gegen psychische Belastungen am Arbeitsplatz (09/2005)

27.04.2005 | Psychische Belastungen gehören zur modernen Arbeitswelt wie der Topf zum Deckel - fast jeder Berufstätige hat solch eine Situation schon einmal kennen gelernt. Und trotzdem: Psychische Belastungen müssen nichts Schicksalhaftes sein, wenn Betriebs- und Personalräte diese Problematik richtig anpacken.  [mehr]

Aus den Zeitschriften

Gute Arbeit: Mehr Krise, weniger Unfälle

10.11.2010 | Im Krisenjahr 2009 ging nicht nur die Zahl der Arbeitsunfälle zurück, sondern auch die Unfallhäufigkeit. Erstmals auch wieder im gewerblichen Bereich. Die Risikobranchen sind aber geblieben. Im ersten Halbjahr 2010 gingen die Zahlen schon wieder hoch.  [mehr]

Gute Arbeit: Sonnenbrand dank CDU

15.03.2010 | Schutz vor Sonnenstrahlen bei Arbeiten im Freien soll nach dem Willen der CDU und des von ihr geführten Arbeitsministeriums nicht in einer neuen Verordnung geregelt werden. Sprecher der CDU-Fraktion klopfen sich selbst auf die Schultern: Weitere Bürokratie sei verhindert worden. Fast drei Millionen Menschen, die regelmäßig im Freien arbeiten, werden es ihr danken.  [mehr]