Arbeit & Politik

Zwischen Stagnation und Zuwachs

Die Wirtschaftskrise macht sich auch beim tariflichen Weihnachtsgeld bemerkbar: In sieben von 23 durch das WSI-Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung untersuchten Tarifbereichen gibt es in diesem Jahr keine Steigerung der Sonderzahlung.

Stagniert haben laut einer Mitteilung des WSI-Tarifarchivs die chemische Industrie, die Metallindustrie, das Bankgewerbe und das Hotel- und Gaststättengewerbe. Auch in der Landwirtschaft, im Steinkohlenbergbau und im Groß- und Außenhandel blieb der tariflich vereinbarte feste Eurobetrag für das Weihnachtsgeld unverändert.

In den übrigen Bereichen variiert der Zuwachs der tariflichen Jahressonderzahlung zwischen 1,2 (öffentlicher Dienst) und 5,7 Prozent (Stahlindustrie). Dies entspricht bezogen auf die mittlere Vergütungsgruppe einem Zuwachs zwischen zehn und 128 Euro.

In Branchen, in denen die Tarifabschlüsse während der Krise erfolgten und Pauschalzahlungen beinhalteten - so zum Beispiel in der chemischen Industrie und in der Metall- und Elektroindustrie - blieben die tariflichen Sonderzahlungen laut WSI unverändert. In der Stahlindustrie seien dagegen die Tarifvergütungen im Januar um zwei Prozent und im Oktober noch einmal um 3,6 Prozent gestiegen mit entsprechender Wirkung auf die Sonderzahlung.

Im öffentlichen Dienst (Gemeinden - West) sind Urlaubs- und Weihnachtsgeld schon seit längerem zu einer Jahressonderzahlung zusammengefasst. Diese steigt in der mittleren Entgeltgruppe um 26 Euro (1,2 Prozent) auf 2.158 Euro.

Im Bauhauptgewerbe (West) klettert das Weihnachtsgeld in der mittleren Lohngruppe um 31 Euro (2,3 Prozent) auf 1.380 Euro.

Bei der Deutschen Bahn AG beträgt der Anstieg 40 auf 2018 Euro (2,0 Prozent).

Im Einzelhandel NRW steigt der Gehaltsbetrag um 1,5 Prozent (20 Euro) auf 1.338 Euro.

Im Versicherungsgewerbe erhält ein/e Angestellte/r in der mittleren Entgeltgruppe mit 2.050 Euro ein Plus von 50 Euro oder 2,5 Prozent.

In der Textilindustrie Westfalen und Osnabrück steigt der Betrag in der mittleren Lohngruppe um 68 auf 1.912 Euro, ein Plus von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Arbeitnehmer in der Druckindustrie in der mittleren Lohngruppe erhalten 45 Euro oder zwei Prozent mehr Weihnachtsgeld, nunmehr sind es 2.335 Euro.

Grundsätzlich sehen in den meisten Wirtschaftszweigen die geltenden Tarifverträge ein Weihnachtsgeld vor, zeigt die Auswertung des WSI-Tarifarchivs. Es wird überwiegend als fester Prozentsatz vom Monatseinkommen berechnet, im Vergleichzu den Vorjahren gibt es hier kaum Veränderungen.

Ein vergleichsweise hohes Weihnachtsgeld erhalten unter anderem die Beschäftigten im Bankgewerbe, in der Süßwarenindustrie, in der westdeutschen Chemieindustrie sowie in der Druckindustrie (95 bis 100 Prozent eines Monatseinkommens), so die Ergebnisse der Untersuchung. Darunter liegen unter anderem die Bereiche Versicherungen (80 Prozent), Einzelhandel (West) (62,5 Prozent) sowie Metallindustrie (West) (55 Prozent). Im öffentlichen Dienst (Gemeinden, West) beträgt das Weihnachtsgeld je nach Vergütungsgruppe zwischen 60 und 90 Prozent. In vielen Bereichen haben die Beschäftigten in den neuen Ländern mittlerweile gleichgezogen.

Quelle:
PM der Hans-Böckler-Stiftung vom 04.11.2010

© arbeitsrecht.de - (mst)

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