Arbeit & Politik

Keinen Cent für Praktikanten!

Trotz langjähriger Debatte um gerechte Bezahlung erhält auch die Mehrheit der Praktikanten in den Bundesministerien kein Geld.

Auf Bundesebene ist es üblich, den Praktikanten keine Vergütung zu zahlen. Dies ergibt sich laut Spiegel-Online aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion. Demnach erhielten Praktikanten von neun der 14 Ministerien im vergangenen Jahr grundsätzlich keine Bezahlung. Drei Ministerien zahlen zwar Praktikanten ein Gehalt, allerdings nicht allen. Nur im Innen- und im Justizministerium bekamen laut den Regierungsangaben alle Hospitanten eine Bezahlung, die zwischen 50 und 511 Euro lag.

Das Familienministerium hatte 80 Praktikanten im Jahr 2008. Sie hatten alle ihr Hochschulstudium abgeschlossen und arbeiteten bis zu sechs Monate dort ohne Geld. Das Auswärtige Amt verfolgt eine ähnliche Praxis. Es nahm im vergangenen Jahr 871 Praktikanten an. Diese arbeiteten ebenfalls kostenlos. Ebenso erging es den 539 Praktikanten im Verkehrsministerium und den 144 Praktikanten im Entwicklungsministerium.

Auch die 99 Praktikanten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales erhielten keine Vergütung. Dabei ist Bundesministerin von der Leyen Schirmherrin für die Initiative "Fair Company", die sich für einen gerechten Umgang mit Praktikanten einsetzt. Unternehmen, die sich dieser Initiative anschließen, verpflichten sich unter anderem zur Zahlung einer Mindestvergütung von 300 Euro. Die Ministerien dagegen erstatten lediglich Reisekosten und geben Essensgutscheine aus.

Die DGB-Jugend weist schon seit Jahren auf den zunehmenden Missbrauch von Praktikanten als unter- oder unbezahlte Arbeitskräfte hin. Konkret fordert die Jugendvertretung im Deutschen Gewerkschaftsbund die Begrenzung der Praktika auf drei Monate, eine Vergütung von mindestens 300 Euro je Monat, einen Ausbildungsplan sowie fachliche Betreuung, um einen weiteren Missbrauch der Hospitanten als billige Arbeitskraft zu verhindern. 

Mehr zum Thema "Praktikum" finden Sie hier.

Quelle:
PM des DGB vom 04.11.2010

© arbeitsrecht.de - (akr)

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