Arbeit & Politik

Flexible Arbeitszeit für alle gut

Einer Studie der Europäischen Kommission zufolge kommen flexible Arbeitszeitregelungen sowohl Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern zugute. Die Schwerpunktsetzung in den Mitgliedstaaten ist dabei unterschiedlich.

Der Sachverständigenbericht "Flexible working time arrangements and gender equality" vermittelt einen umfassenden Überblick über die in den 27 EU-Mitgliedstaaten und in den EFTA-Ländern (Island, Norwegen, Liechtenstein und die Schweiz) derzeit angewandten Regelungen. Im Mittelpunkt steht dabei die interne Flexibilität – innerhalb der Unternehmen oder Einrichtungen – sowohl hinsichtlich der Dauer der Arbeitszeit als auch hinsichtlich deren Organisation, wie etwa flexible Arbeitszeiten und Gleitzeit.

Im März 2010 hatte die Europäische Kommission mit einer ersten Konsultation der europäischen Sozialpartner eine Überprüfung der derzeitigen EU-Regelungen zur Arbeitszeit eingeleitet. Im Zusammenhang mit dieser Überprüfung wird die Kommission in Kürze einen Sachverständigenbericht über die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Arbeitszeitregelungen vorlegen.

Viviane Reding, für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft zuständige Vizepräsidentin der Kommission, sagte, dass Arbeitszeitregelungen, Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und andere betreuungsbedürftige Familienmitglieder sowie der Anspruch auf Elternurlaub offenbar zu höheren Beschäftigungsquoten sowohl bei Frauen wie auch bei Männern führen würden. In konjunkturschwachen Zeiten könnten flexible Arbeitszeitregelungen dazu beitragen, dass Menschen ihre Arbeitsplätze behalten. Trotz wesentlicher Fortschritte müssten die Arbeitsmarktstrukturen aber noch familienfreundlicher werden, so Reding: "Flexible Arbeitszeitregelungen und Gleichstellung der Geschlechter bilden wichtige Voraussetzungen für den Wirtschaftsaufschwung."

Der Studie zufolge bestehen weiterhin große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten in Bezug auf flexible Arbeitszeiten.  So sei In Nord- und Westeuropa Flexibilität hinsichtlich der Dauer der Arbeitszeit weiter verbreitet als in Ungarn, Litauen, Tschechien, Estland, Bulgarien, Slowakei, Slowenien und Rumänien, wo noch immer die herkömmliche 40-Stunden-Woche vorherrscht. Dänemark, Schweden, Deutschland, Finnland und Norwegen lägen in Bezug auf Flexibilität recht weit vorn. Hier nutzen mehr als die Hälfte der Beschäftigten in irgendeiner Weise die Möglichkeit flexibler Arbeitszeiten. 

Unterschiedliche Schwerpunkte

Die Schwerpunktsetzung der Mitgliedstaaten hinsichtlich flexibler Arbeitszeitgestaltung sei unterschiedlich. So stünden zum Beispiel in Finnland, Deutschland und Luxemburg Arbeitszeitkonten und Jahresarbeitzeitregelungen auf der politischen Tagesordnung, während in Polen und Portugal flexible Arbeitszeitregelungen im Zusammenhang mit dem Abbau von Überstunden erörtert würden. In einigen Ländern (etwa Tschechien und Litauen) diene Flexibilität eher der Steigerung der Beschäftigungsquote und der Zahl der geleisteten Arbeitsstunden.

Individuellere Arbeitszeiten wirken sich zwar positiv auf die Beschäftigungsquote von Frauen aus und können zum Ausgleich von Berufs- und Privatleben beitragen, so eines der Untersuchungsergebnisse. Allerdings sei Teilzeitarbeit, die vor allem von Frauen praktiziert werde, in den meisten Ländern noch immer in Niedriglohnbereichen verbreitet, in denen die Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten gering sind. So lange Flexibilität als "weibliche" Art der Arbeitszeitorganisation angesehen werde, dürften flexible Arbeitszeitregelungen geschlechtsbedingte Unterschiede eher festigen als ändern.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise habe eindeutig dazu beigetragen, dass Flexibilität nun als wichtiges Instrument angesehen wird, mit dessen Hilfe Arbeitgeber auf die sich wandelnden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen reagieren können. Die Frage der Geschlechtergleichstellung spiele in dieser Diskussion allerdings keine große Rolle.

Quelle:
PM der EU-Kommission vom 26.10.2010

© arbeitsrecht.de - (mst)

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