Arbeit & Politik
Die Mischung macht’s
Ältere sind erheblich leistungsfähiger, wenn sie in Teams mit jüngeren Kollegen zusammenarbeiten, ihr Arbeitsplatz altersgerecht ausgestattet ist und die Tätigkeiten ihre Stärken berücksichtigen. Das sind zentrale Ergebnisse einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung.
Die Studie untersuchte erstmals repräsentativ für die deutsche Wirtschaft, ob speziell auf ältere Beschäftigte über 50 Jahren zugeschnittene Personalmaßnahmen deren Produktivitätsbeitrag im Vergleich zu jüngeren Beschäftigten verbessern und ob damit auf lange Sicht Produktivitätseinbußen der Unternehmen auf Grund der verstärkten Alterung der Beschäftigten entgegen gewirkt werden kann. Das Durchschnittsalter der Beschäftigten in Deutschland sei in den
vergangenen 20 Jahren um drei Lebensjahre gestiegen. Dieser Trend werde sich auch künftig fortsetzen.
Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass Ältere im Durchschnitt nicht weniger produktiv sind als jüngere Beschäftigte. Es gebe jedoch große Unterschiede zwischen den Betrieben. In vielen Betrieben seien Produktivitätsrückgänge bei einem Anstieg des Anteils Älterer zu verzeichnen, heißt es in einer Mitteilung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).
Aus der Untersuchung geht hervor, dass Ältere in Betrieben mit altersspezifischer Ausstattung der Arbeitsplätze - etwa einer besseren Beleuchtung oder kontrastreicheren Bildschirmen - einen signifikant höheren Produktivitätsbeitrag leisten als Ältere in Unternehmen ohne solche Angebote. Die Studie zeige zudem, dass sich die Produktivität Älterer erhöht, wenn sie in Teams mit jüngeren Kollegen zusammenarbeiten. In diesen Unternehmen steige darüber hinaus auch der Produktivitätsbeitrag jüngerer Beschäftigter signifikant, so die Erkenntnisse der Wissenschaftler. Sie vermuten, dass jüngere Mitarbeiter auch im direkten Arbeitskontakt von der Expertise und langen Berufserfahrung der älteren Kollegen profitieren.
Als Maßnahmen ohne die Produktivität steigernde Effekte benennen die Forscher Weiterbildungsmaßnahmen für Ältere sowie Altersteilzeitmodelle. Möglicher Grund sei, dass die Mitarbeiter nach der Weiterbildung häufig die gleichen Aufgaben erledigen wie zuvor und keine Tätigkeitserweiterung oder -veränderung mit der Maßnahme verbunden sei.
Bei Altersteilzeit wiederum überwiege in Deutschland bisher das so genannte Blockmodell. Mitarbeiter gehen demnach meist früher in den Ruhestand, ohne dass die Arbeitszeit davor reduziert wird. Eine geringere Arbeitsbelastung Älterer und eine Freisetzung neuer Energie mit entsprechenden Folgen für die Produktivität kommen laut Studie bei dieser versteckten Form der Frühpensionierung nicht zustande. Diese beiden Personalmaßnahmen scheinen aufgrund einer fehlerhaften Implementierung wirkungslos für die Erhaltung oder gar Steigerung der Produktivität älterer Arbeitnehmer zu sein.
Quelle:
PM des ZEW vom 12.10.2010
© arbeitsrecht.de - (mst)
Ähnliche Artikel aus Arbeit & Politik
Land des langen Lebens
10.09.2010 | Die Deutschen gehen im Durchschnitt mit 63 Jahren in Rente – ein Jahr später als noch 2002. Das geht aus der Studie "Deutscher Alterssurvey" hervor, erstellt im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Der DGB nennt die Zahlen "Schönfärberei". [mehr]
OECD: Mit Rentenreformen gegen den demografischen Wandel
21.03.2011 | In etwa der Hälfte aller OECD-Länder müssen die Menschen künftig länger arbeiten, bevor sie in Rente gehen können. Im Durchschnitt gehen Männer mit 63 und Frauen mit 62 Jahren in den Ruhestand. [mehr]
"Ü-50-Party" am Arbeitsplatz
08.06.2011 | Über ein Viertel aller Arbeitnehmer war im Jahr 2010 über 50 Jahre alt. Das zeigt der aktuelle Altersübergangsreport aus dem Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung. [mehr]
Weniger Fachkräfte als Mittel gegen den Fachkräftemangel?
06.05.2011 | Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales hat eine neue Studie vorgelegt, die das Beratungsunternehmen McKinsey erstellt hat. Die Berater haben einige Tipps für Unternehmen parat, wie sie den Fachkräftemangel in den Griff bekommen können – auch zu Lasten der Belegschaft. [mehr]
Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:
Rechtsprechung
Auseinanderfallen von Pensions- und Rentenalter verfassungsgemäß
05.07.2011 | Die Vertrauensschutzregelung des § 235 Abs. 2 Satz 3 SGB VI, wonach für altersteilzeitbeschäftigte Versicherte die Regelaltersgrenze unter bestimmten Voraussetzungen nicht angehoben wird, ist auf Beamte nicht anwendbar. [mehr]
Keine Minderung des Aufstockungsbetrages durch Zuschläge
17.09.2010 | Eine Regelung im Tarifvertrag, die vorsieht, dass Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit auf den Aufstockungsbetrag der Altersteilzeit angerechnet werden, ist nichtig. Das Bundesarbeitsgericht hat darin einen Verstoß gegen das Grundgesetz gesehen. [mehr]
Arbeitshilfen
Rechtslexikon: Altersteilzeit
29.01.2010 | Altersteilzeit ist eine Form der Teilzeitbeschäftigung, wobei Arbeitnehmer, die das 55. Lebensjahr erreicht haben, ihre regelmäßige Wochenarbeitszeit um 50 Prozent reduzieren, bis sie Altersrente beanspruchen können. [mehr]
Newsletter
Änderungen in der Altersteilzeit zum 1. Juli 2004 (14/2004)
30.06.2004 | Zum 01. Juli sind zahlreiche Änderungen im Altersteilzeitgesetz (ATG) in Kraft getreten. Zentrale Themen sind die Einführung eines Regelentgeltes, der Wegfall des sog. Mindestnettobetrages und die Einführung einer zwingenden Insolvenzsicherung. [mehr]
Die Altersteilzeit in Grundzügen (12/2010)
16.06.2010 | Im Alter muss man meist kürzer treten - oft darf man dann auch kürzer arbeiten. Grundlage ist die so genannte Altersteilzeit, die im Moment etwa wieder für die Piloten der Lufthansa diskutiert wird. Was aber genau beinhaltet dieses Modell? [mehr]