Arbeit & Politik

Kein Trend zum Turbo-Arbeitsmarkt

Weder in Deutschland noch in anderen europäischen Ländern sind die Erwerbskarrieren instabiler geworden, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Die Durchschnittsdauer der Betriebszugehörigkeit von Arbeitnehmern in Deutschland beträgt knapp elf Jahre.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat sich in einer Studie mit der Frage befasst, Ob Beschäftigungsverhältnisse in Europa instabiler geworden sind und die Fluktuation der Beschäftigten zugenommen hat. Durch einen Vergleich von deutschen Daten mit fünf weiteren Ländern, darunter Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien hat sich gezeigt, dass kein allgemeiner Abwärtstrend vorliegt.

1992 lag die Verweildauer beim Arbeitgeber bei 10,3 Jahren. Ab 1993 sei zwar die durchschnittliche Beschäftigungsdauer infolge der Arbeitsmarktkrise in den neuen Bundesländern vorübergehend knapp unter zehn Jahre gesunken, seit 2001 liege sie aber wieder über zehn Jahren. Auch bei der gesamtwirtschaftlichen Arbeitskräftefluktuation zeichne sich in Deutschland und den meisten anderen Ländern keine Beschleunigung ab. Es könne nicht Von einem allgemeinen Trend hin zum Turbo-Arbeitsmarkt gesprochen werden, heißt es in einer Mitteilung des IAB. Gäbe es dennoch eine Tendenz zur Destabilisierung, müsste sie sich in der gesamtwirtschaftlichen Arbeitskräfte-Fluktuationsrate zeigen. Das Verhältnis der Beschäftigungseintritte und -austritte zur durchschnittlichen Beschäftigtenzahl bestätigt aber weitgehend den gegenteiligen Befund.

Es gebe jedoch Anzeichen, dass die subjektiv empfundene Beschäftigungssicherheit in den letzten zehn Jahren abgenommen habe, so die IAB-Studie. „Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass die Beschäftigten durch die Arbeitsmarktreformen verunsichert wurden. Aber auch der Anstieg der Befristungsquote könnte dabei eine Rolle spielen“, meint IAB-Forscher Thomas Rhein. Der Anteil der befristet Beschäftigten hat sich seit 1992 mehr als verdoppelt. Er liegt heute bei knapp zehn Prozent.

Die IAB-Studie analysiert auch die Entwicklung in anderen europäischen Ländern, darunter Großbritannien, Dänemark, Frankreich und Italien. Mit Ausnahme Dänemarks ist nirgendwo ein Abwärtstrend bei der Beschäftigungsdauer zu erkennen. In den beiden Ländern mit stark dereguliertem Arbeitsmarkt Großbritannien und Dänemark liegt sie mit 8,2 bzw. 7,3 Jahren aber deutlich niedriger als in Deutschland, in Frankreich und Italien mit 11,5 und 11,2 Jahren dagegen höher. In den sechs untersuchten Ländern leben und arbeiten rund 80 Prozent der Menschen aus dem ehemaligen EU-15-Gebiet.

Quelle:
IAB-Kurzbericht 19/2010

© arbeitsrecht.de - (mst)

Quelle:

, vom 08.10.2010
Aktenzeichen:

© arbeitsrecht.de - (unbekannter Autor)

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