Arbeit & Politik

Land des langen Lebens

Die Deutschen gehen im Durchschnitt mit 63 Jahren in Rente – ein Jahr später als noch 2002. Das geht aus der Studie "Deutscher Alterssurvey" hervor, erstellt im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Der DGB nennt die Zahlen "Schönfärberei".

"Altwerden und Altsein gehören zu unserem Leben. Das ist eine gute Nachricht, denn ein langes Leben ist keinesfalls selbstverständlich", verkündet Familienministerin Kristina Schröder im Vorwort der zentralen Ergebnisse des "Deutschen Alterssurveys". Es sei ein großer Erfolg, dass Deutschland zu einer Gesellschaft des langen Lebens geworden sei, heißt es dort weiter.

Wer lange lebt, kann auch lange arbeiten – nach dem Willen der Bundesregierung bis 67, gestaffelt bis 2029. Die Studie soll zeigen, dass die Rente mit 67 keine Fiktion ist. Mit Hilfe ihrer Ergebnisse sollen "Schieflagen und falsche Annahmen in öffentlichen Debatten über Altersfragen ausgeglichen werden". Der These der Überalterung oder Alterslast der Gesellschaft stellt das Ministerium (BMFSFJ) wissenschaftliche Erkenntnisse gegenüber, wie Menschen bis ins hohe Alter zum Gemeinwesen beitragen können.

Ein Aspekt sind die Zahlen zum Renteneintrittsalter. Im Mittelpunkt der Studie standen die 60- bis 64-Jährigen, die sich an der Schwelle zum Ruhestand befinden. Bei ihnen müsse sich mit Blick auf die zwischen 2012 und 2029 einzuführende Rente mit 67 die Erwerbsbeteiligung am stärksten erhöhen. Ihre Erwerbsquote stieg zwischen 2002 und 2008 bundesweit auf  33 Prozent. Dabei glich sich die Erwerbstätigkeit der 60- bis 64-jährigen Männer im Jahr 2008 bundesweit auf 38 Prozent an. Frauen steigerten besonders in Westdeutschland ihre Erwerbsbeteiligung auf 32 Prozent. In Ostdeutschland waren mit 75 Prozent auch im Jahr 2008 die meisten Frauen dieser Altersgruppe bereits im Ruhestand, so die Umfrageergebnisse. Im Durchschnitt ergibt das ein Rentenalter von 63 Jahren. Damit beginnt der Ruhestand ein Jahr später als noch 2002. Aber: Deutlich mehr Menschen als vor acht Jahren waren vor dem Ruhestand arbeitslos oder sind über die Freistellungsphase der Altersteilzeit bereits vollständig aus dem Erwerbsleben ausgestiegen. Zwischen 2002 und 2008 hat sich der Anteil der Personen in Altersteilzeit von acht auf 21 Prozent fast verdreifacht.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund bezeichnete die Studie als "Schönfärberei": "Die Durchschnittszahlen des Familienministeriums spiegeln in keiner Weise die tatsächlichen Problemlagen Älterer wider. Fakt ist, dass nur ein Viertel der 60- bis 65-Jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist", kommentierte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach die Langzeitstudie des Familienministeriums.

Rund ein Drittel aller Beschäftigten – so viele verdienen laut einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie (Inifes) mit harter körperlicher Arbeit ihr Geld – müsse meist früher aus dem Beruf ausscheiden. Die Mehrzahl der körperlich hart Arbeitenden sei nicht bis 65 erwerbstätig - und erst recht nicht bis 67, schließen die Inifes-Forscher aus den Daten.

Quelle:
BMFSFJ "Altern im Wandel", PM der HBS v. 01.09. und des DGB v. 08.09.2010

© arbeitsrecht.de - (mst)

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