Arbeit & Politik
Wettbewerb um kluge Köpfe
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat Wanderungsströme und Wohnortwechsel von Beschäftigten in Deutschland untersucht. Hamburg, Bremen und München sind bei Hochqualifizierten besonders beliebt.
Fast 40 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiteten im Untersuchungszeitraum zwischen 2000 und 2007 in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern. Laut der Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg seien die großen Metropolen Arbeitsmarktzentren. Arbeitskräfte ziehe es dorthin, wo sie die bestmöglichen Perspektiven hätten. Zwischen den Wanderungsbewegungen von Arbeitskräften und den strukturellen Bedingungen des regionalen Arbeitsmarktes besteht eine Wechselwirkung.
Rund 45 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung würden in städtischen Zentren erbracht. Dennoch sei ein anhaltender "Suburbanisierungsprozess" erkennbar: Die großen Städte hätten mit Ausnahme von München Einwohner und Arbeitsplätze an das Umland verloren. Besonders deutlich sei die Abwanderung insgesamt in Berlin, Essen, Bremen und Stuttgart. Diese Tendenz scheint inzwischen rückläufig zu sein, worauf aktuelle Untersuchungen schließen ließen.
Bei reinen Wohnortverlegungen zeige sich, dass die großen Kernstädte – trotz ihrer Spezialisierung auf humankapitalintensive Dienstleistungen – qualifizierte und hoch qualifizierte Beschäftigten nicht stärker anlocken können als ungelernte Arbeitskräfte. Bei jobbedingten Wohnortwechseln sind die großen Städte dagegen beliebt – und zwar unabhängig von der beruflichen Qualifikation. In Hamburg, Bremen und München sei die Zuwanderung von Akademikern wesentlich stärker als die der Personen im mittleren und unteren Qualifikationssegment, heißt es in der Studie. Die Zuzüge von Beschäftigten hätten damit einen günstigen Effekt auf die Qualifikationsstruktur dieser Städte insgesamt.
Auch Berlin und Dresden könnten trotz der insgesamt negativen Mobilitätsbilanz im Segment der hoch Qualifizierten Zuwächse verbuchen. Stuttgart und Frankfurt erreichten bei mittel und gering qualifizierten Beschäftigten Zuwächse, bei Akademikern waren leichte Wanderungsverluste erkennbar. Dortmund, Essen, Dresden und Leipzig weisen bei Arbeitskräften aller Qualifikationen Verluste auf.
Aufgrund der demografischen Veränderungen und der damit verbundenen Gefahr eines Fachkräftemangels werde sich der Wettbewerb zwischen den Regionen um qualifizierte Arbeitskräfte in Zukunft verstärken, so das Fazit der Studie.
Quelle:
PM des IAB vom 06.09.2010, IAB-Kurzbericht 16/2010
© arbeitsrecht.de - (mst)
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