Arbeit & Politik
Trend zu Einmalzahlungen kann Lohnerhöhungen erschweren
Pauschal- und Einmalzahlungen haben im vergangenen Jahrzehnt bei Tarifabschlüssen an Bedeutung gewonnen. Verdrängen sie aber dauerhafte Lohnerhöhungen, bringt das den Beschäftigten Einkommensverluste.
Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung aus dem Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans Böckler-Stiftung.
Zusätzliche Einmalzahlungen und Pauschalen sind ein seit langem etabliertes Instrument der Tarifpolitik. So nutzten die Tarifparteien Einmalzahlungen, wenn sich die Verhandlungen lange hingezogen haben. Auch die von Arbeitgebern oft gewünschte lange Laufzeit eines Vertrages wird für Arbeitnehmer attraktiver, wenn die Betriebe auf die prozentuale Tariflohnerhöhung noch eine Einmalzahlung drauflegen. Zusätzliche einmalige Zahlungen sind zudem ein Weg, um die Beschäftigten an einer außergewöhnlich guten Gewinnsituation zu beteiligen.
Arbeitgeber und ihre Verbände schätzen Einmalzahlungen jedoch auch als Ersatz für dauerhafte, so genannte tabellenwirksame Tariferhöhungen - gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Doch wer Einmalzahlungen zum Patentrezept stilisiere, blendet eklatante Risiken für gesellschaftliche Einkommensverteilung und binnenwirtschaftliche Nachfrage aus, so die Studie.
So beobachten die Experten des WSI-Tarifarchivs eine "schleichende" Verschiebung von tabellenwirksamen Erhöhungen zu einmaligen Zahlungen. Das liegt vor allem an einem Trend zu längeren Laufzeiten.
Doch auch wenn Zahlungen fließen - auf längere Sicht erleiden Beschäftigte ohne einen tabellenwirksamen Anstieg ihrer Tarifeinkommen spürbare Einkommensverluste. Dass derartige Einkommensrückstände zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgeholt werden könnten, erweist sich "regelmäßig als unrealistisch".
Quelle:
[WSI-Tarif] Newsletter v. 02.09.2010
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