Arbeit & Politik

Azubis verteilen Noten

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat seinen jährlichen Ausbildungsreport vorgelegt. Auf Platz 1 landete die Ausbildung zum Industriemechaniker. Nachholbedarf hat das Hotel- und Gaststättengewerbe.

Ausbildungszeiten, fachliche Anleitung oder Ausbildungsinhalte – außer für die Bezahlung hat der Industriemechaniker-Nachwuchs Bestnoten verteilt. Auf dem zweiten Platz kommen die Bankkaufleute gefolgt von den Industriekaufleuten. Schlusslichter sind Hotel- und Restaurantfachleute.

Für den Ausbildungsreport 2010 hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) 7.317 Mitglieder der Gewerkschaftsjugend in den 25 meistfrequentierten Ausbildungsberufen des Jahres 2008 befragt. Themenschwerpunkte waren Ausbildungsinhalte, fachliche Anleitung, Ausbildungszeiten und Überstunden, Ausbildungsvergütung sowie persönliche Beurteilung der Ausbildungsqualität.

Überwiegend zufrieden waren die Auszubildenden mit der Zahlungsmoral ihrer Arbeitgeber. Nur 3,3 Prozent erhielten die Vergütung zu spät oder gar nicht. Im Jahr 2009 lag der Lohn der männlichen Azubis in den alten Bundesländern im Durchschnitt bei 692 Euro brutto im Monat. Weibliche Auszubildende erhielten dagegen durchschnittlich nur 658 Euro. In den neuen Ländern kamen männliche Auszubildende im Durchschnitt auf 610 Euro, ihre Kolleginnen auf 569 Euro.

Die Hauptkritikpunkte der Befragten waren häufige Mehrarbeit und schlechter Berufsschulunterricht. Branchenübergreifend mussten 40,2 Prozent der Azubis Überstunden machen. Im Hotel- und Gaststättengewerbe sogar mehr als zwei Drittel. Nur 9,8 Prozent bewerten die Qualität des Unterrichts als „sehr gut“, von 13,1 Prozent hagelte es schlechte Noten – der Berufsschulunterricht sei „ausreichend“ oder „mangelhaft“.

Wichtiger Faktor für eine gute Ausbildung ist nach Einschätzung der Befragten die persönliche Betreuung im Betrieb. Hier schneiden große Unternehmen besser ab als Kleinbetriebe, wo die Auszubildenden überdurchschnittlich stark nach Auftragslage und weniger nach betrieblichem Ausbildungsplan in die Arbeit eingebunden würden.

Zurückgegangen sind ausbildungsfremde Tätigkeiten. Auch hier seien es Kleinst- und Kleinbetriebe mit ihren geringen finanziellen und personellen Ressourcen, in denen Auszubildende oftmals für Erledigungen herhalten müssten, die nichts mit ihrer fachlichen Qualifizierung zu tun haben, heißt es in der Auswertung.

Auffallend hoch ist die Zahl der Ausbildungsabbrüche. Jeder Zehnte gab an, bereits eine Lehre hingeschmissen zu haben. Laut Bundesregierung waren im Jahr 2008 die Abbrüche im Hotel- und Gaststättengewerbe besonders hoch - 43,8 Prozent der angehenden Hotelfachkräfte und 42,4 Prozent der Restaurantfachmänner und -frauen beendeten die Ausbildung nicht. Nur bei den Köchen wurden mehr Abbrüche gezählt (45,3 Prozent).

Deutlich wurde ein Zusammenhang zwischen den Aussagen zur Gesamtzufriedenheit mit der Ausbildung und dem Bestehen einer Interessenvertretung – Betriebs- oder Personalrat, Jugend- und Auszubildendenvertretung – im Betrieb. Unter den befragten Auszubildenden, deren Unternehmen eine betriebliche Interessenvertretung haben, gaben 82,5 Prozent an, mit ihrer Ausbildung sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein. Bei den Auszubildenden in Betrieben ohne Interessenvertretung nur 62,7 Prozent.

Für Unzufriedenheit sorgen unsichere Zukunftsaussichten. Zwei Drittel wussten zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht, ob der Arbeitgeber sie nach der Ausbildung übernehmen würde. Nur 20 Prozent hatten bereits einen Job sicher. 

Hiergeht's zum DGB-Ausbildungsreport 2010!


Quelle:

PM des DGB v. 01.09.2010, Ausbildungsreport 2010, Mitteilung der Bundesregierung v. 31.08.2010

© arbeitsrecht.de - (mst)

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