Arbeit & Politik
Mehr Entgeltklagen vor Bundesarbeitsgericht
Die Zahl von Arbeitnehmern, die wegen ihres Gehalts vor das höchste deutsche Arbeitsgericht ziehen, ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Ein Trend, der Gerichtspräsidentin Ingrid Schmidt angesichts der ebenfalls deutlichen Zunahme von Billiglöhnen nicht überrascht.
Verhandelten die Erfurter Richter 2002 noch 52 Revisionen, sind es mittlerweile mehr als dreimal so viele. "Es wird härter um den Lohn gekämpft", kommentierte Gerichtspräsidentin Ingrid Schmidt die Entwicklung. Im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur äußerte sie die Vermutung, dass es sich heute wohl immer weniger Arbeitnehmer leisten könnten, ausbleibende Zuschlagszahlungen hinzunehmen.
Nach einer Erhebung des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) erhielten 2008 hierzulande 6,55 Millionen Menschen Billiglöhne. Das sind 2,3 Millionen mehr als noch 1998. Rund ein Drittel bezog einen Brutto-Stundenlohn von unter sechs Euro.
Schmidt verurteilte die Entwicklung vor dem Hintergrund des Grundsatzurteils des Bundesarbeitsgerichts zur Sittenwidrigkeit von Löhnen im letzten Jahr: "Wenn diese Entwicklung weitergeht, fragt man sich irgendwann schon, wer eigentlich Steuern zahlen und für Sozialabgaben aufkommen soll."
Quelle:
dpa
© arbeitsrecht.de – (sh)
Ähnliche Artikel aus Arbeit & Politik
Freiwillige Konfliktbewältigung am Arbeitsgericht
16.09.2011 | Seit 15. September 2011 können die Parteien im Landesarbeitsgerichtsbezirk Düsseldorf bei Verfahren vor den Arbeitsgerichten Düsseldorf, Krefeld und Oberhausen auf professionelle richterliche Mediation zurückgreifen. [mehr]
Bundesarbeitsgericht legt Jahresbericht vor
26.01.2011 | Rund 2.500 Verfahren sind im Jahr 2010 beim Bundesarbeitsgericht gelandet. Eine überlange Verfahrensdauer ist trotz der Arbeitsbelastung weiterhin die Ausnahme. [mehr]
Menschenrechtler fordern mehr Rechte für ausgebeutete Hausangestellte
27.06.2011 | Das Deutsche Institut für Menschenrechte fordert für Betroffene von Menschenhandel und Arbeitsausbeutung in Diplomatenhaushalten die Eröffnung des Rechtswegs in Deutschland. Bisher müssen Arbeitgeber aufgrund ihrer diplomatischen Immunität keine rechtlichen Konsequenzen fürchten. [mehr]
Anpfiff am Arbeitsplatz
06.07.2011 | Die Frauen-Fußball Weltmeisterschaft in Deutschland hat begonnen, viele Begegnungen werden während der Arbeitszeit ausgetragen. Wer auch bei der Arbeit nicht auf "König Fußball" verzichten möchte, muss einiges beachten. [mehr]
Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:
Rechtsprechung
Diplomaten sind immun gegen Arbeitsrecht
14.06.2011 | Das Arbeitsgericht Berlin hat die Klage gegen einen Diplomaten eines ausländischen Staates auf Zahlung von Vergütung und Schmerzensgeld für eine Hausangestellte als unzulässig abgewiesen. [mehr]
ArbeitsgerichtsbarkeitBAG lässt Zuständigkeit für Europäische Schulen vom EuGH klären
06.05.2013 | Der Siebte Senat des BAG hat den Gerichtshof der Europäischen Union um eine Vorabentscheidung zu der Frage ersucht, ob das Unionsrecht der deutschen Gerichtsbarkeit in Streitigkeiten zwischen den Europäischen Schulen und den dort angestellten Lehrbeauftragten entgegensteht. [mehr]
Gesetzgebung
Entschädigung bei langer Verfahrensdauer auf den Weg gebracht
04.10.2011 | Der Bundestag hat mit den Stimmen von CDU/CSU, FDP und der oppositionellen SPD ein Gesetz zum verbesserten Rechtsschutz bei überlangen Gerichtsverfahren verabschiedet. Betroffene sollen eine angemessene Entschädigung erhalten, wenn ein Prozess zu lange dauert. [mehr]
Newsletter
Arbeitsgerichtsbeschleunigungsgesetz (03/2000)
05.04.2000 | Am 01.05.2000 wird das Gesetz zur Vereinfachung und Beschleunigung des arbeitsgerichtlichen Verfahrens (Arbeitsgerichtsbeschleunigungsgesetz) in Kraft treten. [mehr]
Mediation im Arbeitsrecht - Erfolgreiche Lösungsalternative? (15/2003)
16.07.2003 | Für Rechtsstreitigkeiten um Arbeitsverhältnisse bietet sich eine Streitschlichtung an - auch wenn gerade hier beim Suchen nach einer einvernehmlichen Lösung regelmäßig "die Fetzen fliegen". [mehr]