Arbeit & Politik

Mehr Entgeltklagen vor Bundesarbeitsgericht

Die Zahl von Arbeitnehmern, die wegen ihres Gehalts vor das höchste deutsche Arbeitsgericht ziehen, ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Ein Trend, der Gerichtspräsidentin Ingrid Schmidt angesichts der ebenfalls deutlichen Zunahme von Billiglöhnen nicht überrascht.

Verhandelten die Erfurter Richter 2002 noch 52 Revisionen, sind es mittlerweile mehr als dreimal so viele. "Es wird härter um den Lohn gekämpft", kommentierte Gerichtspräsidentin Ingrid Schmidt die Entwicklung. Im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur äußerte sie die Vermutung, dass es sich heute wohl immer weniger Arbeitnehmer leisten könnten, ausbleibende Zuschlagszahlungen hinzunehmen.

Nach einer Erhebung des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) erhielten 2008 hierzulande 6,55 Millionen Menschen Billiglöhne. Das sind 2,3 Millionen mehr als noch 1998. Rund ein Drittel bezog einen Brutto-Stundenlohn von unter sechs Euro.

Schmidt verurteilte die Entwicklung vor dem Hintergrund des Grundsatzurteils des Bundesarbeitsgerichts zur Sittenwidrigkeit von Löhnen im letzten Jahr: "Wenn diese Entwicklung weitergeht, fragt man sich irgendwann schon, wer eigentlich Steuern zahlen und für Sozialabgaben aufkommen soll."

Quelle:
dpa

© arbeitsrecht.de – (sh)

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