Arbeit & Politik

Weniger Streiks in der ersten Jahreshälfte

Die Zahl der Beschäftigten, die im ersten Halbjahr 2010 an Streiks oder Warnstreiks beteiligt waren, ist gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf weniger als ein Drittel gesunken. Das geht aus der Halbjahresbilanz des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts hervor. Schuld daran ist die Krise.

Nur rund 86.000 Streikende hat das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung in den ersten sechs Monaten gezählt. Das Arbeitskampfvolumen schätzt das WSI in diesem Zeitraum auf rund 140.000 wegen Streik und Warnstreik ausgefallene Arbeitstage - auch ein deutlicher Rückgang gegenüber 350.000 Streiktagen im ersten Halbjahr 2009.

"Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise dürften ein wesentlicher Grund dafür sein, dass im ersten Halbjahr weniger gestreikt wurde", sagt der WSI-Arbeitskampfexperte Heiner Dribbusch.

Der deutliche Rückgang des Arbeitskampfvolumens ist laut Dribbusch darauf zurückzuführen, dass es in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie in diesem Jahr vor dem Hintergrund der krisenhaften Branchensituation zu vorgezogenen Verhandlungen und noch vor Auslaufen des alten Tarifvertrages zur Einigung kam.

70 Prozent aller Streikenden kamen aus den Teilnehmerreihen der Warnstreiks im öffentlichen Dienst. Dennoch ist auch die Tarifrunde für die Beschäftigten bei Bund und Kommunen von deutlich weniger Warnstreiks als in den Jahren zuvor begleitet worden. Die rasche Einigung im öffentlichen Dienst habe auch die Zahl von Folge- und Partizipationsstreiks in angelehnten Bereichen vermindert, heißt es in einer Mitteilung der Hans-Böckler-Stiftung.

Ein weiterer Grund für die geringe Streikbeteiligung ist, dass es keine spektakulären Werks- und Betriebsschließungen gab. Auch Großkonflikt bei GM Opel wurde vorerst eine Verhandlungslösung gefunden.

Neben den Warnstreiks im öffentlichen Dienst war die dreiwöchige Tarifauseinandersetzung im Mai und Juni zwischen dem Marburger Bund (MB) und dem Verband Kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) eine der größten Arbeitskampfmaßnahmen. Daneben gab es vergleichsweise wenig Streikaktivitäten seitens der Berufsgewerkschaften. Im Konflikt zwischen Lufthansa und Vereinigung Cockpit (VC) kam es nur zu kurzen Streiks. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte einige eng begrenzte Auseinandersetzungen mit verschiedenen regionalen Privatbahnen.

Die amtliche Statistik erfasst die Zahl der Streiks nicht. Arbeitskampfmaßnahmen werden jedoch bei den Gewerkschaften gemeldet. Bei Ver.di gingen im ersten Halbjahr 2010 lediglich 59 Anträge ein, während es im gleichen Zeitraum des Vorjahres mit 118 doppelt so viele waren.

Mit Blick auf das zweite Halbjahr schließt Dribbusch Arbeitsniederlegungen im Zusammenhang mit der Stahltarifrunde nicht aus. Es sei jedoch nicht damit zu rechnen, dass 2010 das Vorjahresvolumen von 400.000 arbeitkampfbedingten Ausfalltagen erreicht werde.

Quelle:
PM der Hans-Böckler-Stiftung v. 05.08.2010

© arbeitsrecht.de - (mst)

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