Arbeit & Politik

Beschäftigte am Aufschwung beteiligen

Kräftige Gehaltserhöhungen oder moderate Lohnpolitik? Die Expertenmeinungen gehen auseinander bei der Frage, was die richtige Reaktion auf die konjunkturelle Entwicklung ist.

"Wir brauchen kräftigere Lohnsteigerungen von mindestens drei Prozent", forderte Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die Volkswirtschaften im Euro-Raum seien in den vergangenen Jahren auseinandergedriftet. Dazu hätte die Lohnzurückhaltung beigetragen, für die es keinen Grund gegeben habe. Mit höheren Lohnabschlüssen in Deutschland und niedrigeren in konjunkturell schwächeren Ländern müsse der Unterschied ausgeglichen werden, sagte der Wirtschaftsweise. Die Forderung von mindestens drei Prozent ergebe sich aus dem Produktivitätszuwachs von einem Prozent und der von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebten Inflationsrate von rund zwei Prozent im Jahresdurchschnitt. Nach Angaben der Europäischen Statistikbehörde Eurostat betrug die Teuerungsrate im Juli 1,7 Prozent gegenüber 1,4 Prozent im Vormonat.

Auch aus Gewerkschaftsreihen kommt die Forderung von drei Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten, etwa vom NGG-Vorsitzenden Franz-Josef Möllenberg.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte die Gewerkschaften davor, zu hohe Lohnforderungen zu stellen. "Die erfreuliche Arbeitsmarktentwicklung zeigt, dass die gemeinsamen Anstrengungen von Unternehmen, Sozialpartnern und Politik zur Beschäftigungssicherung erfolgreich sind", sagte Hundt. Höhere Arbeitskosten würden nach seiner Einschätzung die nachhaltige Bewältigung der Krise belasten.

Eine Gefahr sieht Hundt auch in höheren Lohnzusatzkosten, die durch die geplanten Beitragssteigerungen drohen, etwa bei der Arbeitslosenversicherung. Hier sind sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter einig. Sie verlangen vom Bund für das kommende Jahr rund acht Milliarden Euro Steuerzuschüsse, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Ohne das Geld drohten ein Schuldenberg in der Arbeitslosenversicherung und tiefe Einschnitte bei Arbeitsförderungsmaßnahmen.

Quelle:

dpa, Reuters, DGB, BDA

© arbeitsrecht.de - (mst)

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