Arbeit & Politik

Weniger Ausbildungsplätze als Bewerber

Für mehr als 100.000 Schulabgänger ist der Start in einen neuen Lebensabschnitt holprig. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit stehen für 511.200 Bewerber 405.600 betriebliche Ausbildungsstellen bereit.

Auch wenn die deutschen Unternehmen 10.200 mehr Ausbildungsplätze als im Vorjahreszeitraum anbieten, fehlen weiterhin zehntausende Lehrstellen. "Diese Situation fügt sich nahtlos in die dramatische Entwicklung der letzten Jahre und stellt der Wirtschaft und der Bundesregierung ein schlechtes Zeugnis aus", lautet die Kritik von DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf. Das Angebot an Ausbildungsplätzen bleibe in fast allen Berufen hinter der Nachfrage zurück.

Noch nicht einmal 25 Prozent aller Unternehmen in Deutschland bilden laut DGB aus. Dieser Anteil müsse kurzfristig und konjunkturunabhängig im Sinne der beruflichen Zukunft aller Jugendlichen und dem zukünftigen Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften erhöht werden, heißt es in einer Mitteilung des DGB. In Deutschland haben mehr als 1,5 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren (17 Prozent der Altersgruppe) keinen Berufsabschluss. Rudolf fordert daher Perspektiven im Berufsleben, ohne Langzeitarbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung.

Scharf kritisierte Rudolf kürzlich vorgetragene Forderungen nach einer Lockerung des Jugendarbeitsschutzes. Das Jugendarbeitsschutzgesetz sei kein Ausbildungshemmnis, sondern eines der wesentlichen Gesetze zum Schutz von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren vor gesundheitlichen Gefahren am Arbeitsplatz und vor Überlastung. "Junge Menschen in der Ausbildung sind Lernende und brauchen einen wirkungsvollen Arbeitsschutz", betonte Jugendsekretär Rudolf.

Nach Angaben der BA waren im Juli 108.500 Ausbildungsstellen noch unbesetzt und 152.600 Bewerber zählten als noch unversorgt. Insgesamt sei es verfrüht, anhand dieser Daten eine Einschätzung zur weiteren Entwicklung der Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt zu geben, teilte die Behörde mit.

Quelle:
PM des DGB vom 30.07., PM der BA vom 29.07.2010

© arbeitsrecht.de – (mst)

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