Arbeit & Politik
Viel Arbeit, zu wenig Geld?
Etwa die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland ist mit ihrem Einkommen zufrieden. In Krisenzeiten schrauben Arbeitnehmer ihre Ansprüche runter. Trotzdem fühlt sich jeder Dritte ungerecht entlohnt.

©fotolia/Seybert
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat 7.523 Beschäftigte befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Einkommen sind. Das Ergebnis: 31 Prozent schätzen es als zu gering ein. Damit ist die Zahl derer, die den Eindruck haben, zu wenig Gehalt zu bekommen, gegenüber der letzten Datenerhebung im Jahr 2007 deutlich gesunken. Vor zwei Jahren waren es noch 38 Prozent.
Die DIW-Wissenschaftler führen diese Beobachtung auf die Krise zurück. Wahrgenommene Einkommensgerechtigkeit sei konjunkturabhängig, folgern Stefan Liebig und Jürgen Schupp in ihrem Wochenbericht. Im konjunkturell vergleichsweise stabilen Jahr 2007 hatten Beschäftigte den Eindruck, nicht genügend am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt zu werden.
Die aktuelle Befragung hat zudem ergeben, dass die mittlere Einkommensgruppe ihre Steuerbelastung als ungerecht wahrnimmt, Besserverdiener dagegen mit ihrem Nettoverdienst im Vergleich zum Bruttolohn zufrieden sind.
Aus dem Zahlenmaterial, das die Wissenschaftler in den vergangenen sechs Jahren gesammelt haben, geht hervor, dass 51 Prozent der Beschäftigten ihr Gehalt konstant und dauerhaft als gerecht einstufen. Ständig ungerecht behandelt fühlen sich dagegen nur 13 Prozent. Stabile Ungerechtigkeitsbewertungen fänden sich bei denen, deren Bruttostundenlohn zwischen acht und zwölf Euro liege.
Ein weiteres interessantes Ergebnis liefert die Studie: Frauen sind in Sachen Einkommen zufriedener als Männer. Liebig und Schupp führen das auf die Vergleichgruppen zurück, die der einzelne heranzieht, um sich selbst einzuordnen. Frauen seien häufig in Frauenberufen tätig und vergleichen sich mit ihren Kolleginnen. Da das Lohnniveau in diesen Berufen aber geringer sei, hätten sie niedrigere Erwartungen an ihr Gehalt.
Die Wissenschaftler sprechen sich deshalb für mehr Transparenz in den Entlohnungssystemen aus. Dann sei es möglich, dass Frauen auch höhere Gehaltsforderungen stellen.
Quelle:
DIW-Wochenbericht 27-28/2010
©
arbeitsrecht.de – (mst)
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