Arbeit & Politik

Ostdeutsche Wirtschaft holt auf

Seit der Wiedervereinigung hat sich der Osten Deutschlands stetig westdeutschen Verhältnissen angepasst. Das ist das Ergebnis eines Forschungsberichtes des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg.

Von einem rasanten Aufholprozess ist im Forschungsbericht  „20 Jahre Deutsche Einheit – Ein Vergleich der west- und ostdeutschen Betriebslandschaft im Krisenjahr 2009“ des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Rede: Deutlich gesteigerter materieller Wohlstand, kaum noch marode Bausubstanz, moderne Infrastruktur kennzeichnen den Osten der Republik. Vor dem Hintergrund des massiven Zusammenbruchs der ostdeutschen Wirtschaft nach der Währungsunion 1990 sei die Erneuerung der wirtschaftlichen Basis weit vorangekommen, lautet das Fazit des Instituts.

Dennoch sind immer noch strukturelle Unterschiede erkennbar, wie die Studie zeigt. Die wirken sich negativ auf die Produktivität der ostdeutschen Betriebe aus. Ein relativ kleiner industrieller Sektor, weniger Großbetriebe als im Westen, ein Defizit von wissensintensiven Unternehmensdienstleistungen sowie Rückstand im Sektor Forschung und Entwicklung sorgten für geringere Produktivität.

Arbeitsplätze sind dagegen laut IAB-Forschungsbericht in beiden Landesteilen gleichermaßen stabil, in der Tendenz sogar stabiler als in den Vorjahren. Zwar wechseln Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern häufiger unfreiwillig den Arbeitgeber als im Westen, heißt es im Forschungsbericht. Es sei jedoch auch ein Anstieg des freiwilligen Jobwechsels zu beobachten – ein Zeichen dafür, dass die Beschäftigungschancen größer würden.

Vom exportgestützten Aufschwung konnte Ostdeutschland in den zurückliegenden 20 Jahren nicht im gleichen Maße profitieren wie der Westen. Was grundsätzlich als Nachteil einzustufen wäre, ist in Krisenzeiten sogar vorteilhaft. Nach Einschätzung der Nürnberger Konjunkturforscher hat die Krise den Osten weniger hart getroffen als andere Regionen. Die große Zahl der kleinen und mittleren Betriebe und die geringe Anbindung an die Exportmärkte hätten sich im Krisenjahr 2009 als Wettbewerbsvorteil erwiesen.

Quelle:
IAB-Forschungsbericht 06/2010

© arbeitsrecht.de – (mst)

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