Arbeit & Politik
Nur leichter Tariflohnanstieg im ersten Halbjahr
Die Tarifabschlüsse im ersten Halbjahr 2010 haben den Beschäftigten deutlich geringere Lohnsteigerungen gebracht als im Vorjahr. Durchschnittlich stiegen die Löhne um 1,7 Prozent.
Die Lohn- und Gehaltsforderungen der DGB-Gewerkschaften seien in diesem Jahr relativ gering ausgefallen, heißt es in der aktuellen Halbjahresbilanz des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Teilweise hatten sie statt konkreter Tariferhöhungen lediglich "angemessene Entgelterhöhung" gefordert, etwa in der Chemiebranche oder im Bankgewerbe.
Rund 7,1 Millionen Beschäftigte, das sind etwa 37 Prozent der von Tarifverträgen erfassten Arbeitnehmer, erhielten laut WSI eine vorläufige jahresbezogene Tarifsteigerung von nominal 1,2 Prozent. Für sieben Millionen Beschäftigte mit länger laufenden Vorjahresabschlüssen ergibt sich für 2010 eine Tarifsteigerung von 2,3 Prozent. Die Abschlüsse, die bereits 2009 unterzeichnet worden waren, wirken sich somit aktuell positiv aus. Insgesamt erhalten damit 14,1 Millionen Beschäftigte eine durchschnittliche Steigerung des tariflichen Monatsentgelts des laufenden Jahres gegenüber dem Vorjahr von 1,7 Prozent.
"Angesichts der nach wie vor großen Beschäftigungsrisiken haben sich vor allem die Industriegewerkschaften in dieser Tarifrunde aus guten Gründen vor allem auf Maßnahmen zur Sicherung von Beschäftigung konzentriert", erklärt Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs. In vielen Bereichen sind dauerhafte Tarifsteigerungen verschoben und für die ersten Monate nur Pauschalzahlungen vereinbart worden. Zusätzliche Regelungen in einigen Branchen sollen die Beschäftigung und die Übernahme von Auszubildenden sichern.
Es wäre falsch, einen künstlichen Gegensatz zwischen Beschäftigungssicherung einerseits und Lohnerhöhungen andererseits zu konstruieren, meint Tarifexperte Bispinck. Eine bessere Balance zwischen erfolgreicher Exportwirtschaft und dynamischer Entwicklung des Binnenmarktes sei ohne dauerhafte und spürbare Reallohnsteigerungen nicht zu erreichen.
Quelle:
WSI, Tarifpolitischer Halbjahresbericht, PM vom 08.07.2010
© arbeitsrecht.de - (mst)
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