Arbeit & Politik

Robuster Arbeitsmarkt trotz Krise

Der Arbeitsmarkt ist in Deutschland dank flexibler Arbeitszeitregelungen und Kurzarbeit in der Krise robuster als anderswo. Das geht aus dem OECD-Beschäftigungsausblick 2010 hervor.

Die 31 OECD-Länder müssen 17 Millionen Stellen schaffen, um den Beschäftigungseinbruch durch die Wirtschaftskrise auszugleichen, heißt es im Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Davon entfallen alleine zehn Millionen auf die USA.

Obwohl Deutschland mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 6,7 Prozent besonders stark von der Rezession betroffen wurde, sank die Arbeitslosenquote vom Beginn der Rezession bis Mai 2010 von 7,9 auf sieben Prozent. Flexible Arbeitszeitregelungen und Kurzarbeit helfen laut OECD dem deutschen Arbeitsmarkt durch die Weltwirtschaftskrise. Im OECD-Raum stieg die Quote im selben Zeitraum von 5,7 auf 8,6 Prozent.

Insgesamt gibt es derzeit 47 Millionen registrierte Arbeitslose in den Mitgliedsstaaten. Einschließlich der Menschen, die die Suche aufgegeben haben oder gerne von Teilzeit auf Vollzeit umsteigen würden, schätzen Experten die Zahl auf 80 Millionen.

In Deutschland wurden bis zum dritten Quartal 2009 rund 200 000 Arbeitsplätze durch Kurzarbeit erhalten. Die erleichterte Kurzarbeiterregelung solle aber auslaufen, wenn der Aufschwung an Fahrt gewinne. Zehn Prozent der Kurzarbeiter hätten Weiterbildungsangebote angenommen. Darunter waren aber kaum Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen, so dass die Kurzarbeit zu einer weiteren Segmentierung des deutschen Arbeitsmarktes beigetragen habe, stellt die OECD fest.

Dennoch bleibe die strukturelle Arbeitslosigkeit nach OECD- Standards hoch, berichtet die OECD. So blieben Arbeitslose deutlich länger ohne Beschäftigung als in anderen Ländern. 2009 waren in Deutschland knapp 62 Prozent der Arbeitslosen länger als sechs Monate ohne Beschäftigung, im OECD-Mittel aber nur 40 Prozent. Noch gravierender ist der Unterschied bei den Menschen, die länger als ein Jahr Arbeit suchen. Ihr Anteil betrug in Deutschland 45 Prozent, im OECD-Mittel nur 23 Prozent. Deshalb warnte die OECD davor, die Arbeitsmarktpolitik im Zuge der Sparmaßnahmen zu schwächen. Viele Länder könnten mehr für Ausbildung tun und die Einstellung von Langzeitarbeitslosen steuerlich fördern.

Aus dem Beschäftigungsausblick geht auch hervor, dass in Deutschland mehr Frauen als in vielen anderen Ländern berufstätig sind. Ihr Anteil lag mit 65 Prozent um neun Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt. Allerdings arbeiteten aber mehr Frauen Teilzeit, weil Vollzeitarbeit wegen des Ehegattensplittings, beitragsfreier Mitversicherung in der Krankenkasse und der Subventionierung von Minijobs für Zweitverdiener unattraktiver sei. In kaum einem anderen OECD-Land bleibe netto weniger übrig, wenn in einem Paarhaushalt ein Zweitverdiener mit geringem Stundenverdienst von Teilzeit auf Vollzeit wechsle, kritisiert die OECD.

Die Arbeitsmarktreformen der vergangenen Jahre wertete die Organisation dennoch positiv. Sie schlägt vor, mehr Anreize zur Aufnahme einer existenzsichernden Beschäftigung zu geben.

Quelle:
dpa vom 07.07.2010, OECD

© arbeitsrecht.de - (mst)

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