Arbeit & Politik

Arbeit muss sich lohnen - das Lohnabstandsgebot

Ein arbeitender Mensch soll in Deutschland mehr Geld zur Verfügung haben als jemand, der seinen Lebensunterhalt nur mit staatlicher Hilfe bestreiten kann.

Das ist im zwölften Buch des Sozialgesetzbuches festgelegt. Nach § 28 SGB XII müssen die Regelsätze unter dem durchschnittlichen Nettoverdienst unterer Lohn- und Gehaltsgruppen liegen.

Das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG) überprüft regelmäßig, ob das Lohnabstandsgebot eingehalten wird. Im Juli 2009 war dies dem ISG zufolge der Fall.

Ein Arbeitnehmerhaushalt im unteren Lohnbereich (Hilfsarbeiter im Produzierenden Gewerbe) mit drei Kindern hatte monatlich 356 Euro oder 15 Prozent mehr Geld mehr zur Verfügung als eine vergleichbare Familie mit Hartz IV. Bei Alleinlebenden und Familien mit weniger Kindern war der Abstand noch größer.

Die Regelsätze sehen für einen Alleinstehenden monatlich 359 Euro vor. Mit den Zahlungen für Miete und Heizung geht das ISG von insgesamt 702 Euro aus, die ein Hilfebedürftiger zur Verfügung hat. Ein Vollzeit beschäftigter Hilfsarbeiter hat den Angaben zufolge 1444 Euro zur Verfügung. Bei einem Ehepaar ohne Kind beträgt der Abstand 628 Euro, bei einem Paar mit einem Kind 485 Euro, bei einem mit zwei Kindern 422 Euro.

Derzeit erhalten rund 6,7 Millionen Menschen das Arbeitslosengeld II (Hartz IV). Diese Leistung soll den Lebensunterhalt sichern. Sie richtet sich an erwerbsfähige Hilfebedürftige, zu denen auch rund 779 000 Langzeitarbeitslose gehören. Hartz IV kann man auch erhalten, wenn das eigene Einkommen nicht zum Leben reicht. Im August 2009 gab es mehr als 1,3 Millionen sogenannter Aufstocker.

© arbeitsrecht.de - (ts)

Artikel drucken
  • Xing

Ähnliche Artikel aus Arbeit & Politik

UmfrageArbeitsmarkt in Deutschland ist ungerecht

16.11.2011 | Der Arbeitsmarkt ist ungerecht und ein gutes Betriebsklima ist wichtiger als viel Geld in der Lohntüte. Das sind die Erkenntnisse aus einer Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.  [mehr]

Von der Leyen plant Förderprogramme für Hartz-IV-Kinder

15.04.2010 | Nach dem aktuellen Urteil des Bundesverfassungsgerichts muss der Bund Kindern aus Hartz-IV-Familien in Zukunft einen besseren Zugang zu Bildung ermöglichen. Die Bundesarbeitsministerin will nun Taten folgen lassen.  [mehr]

Weniger Brutto als vor zehn Jahren

04.02.2011 | Die Bruttoverdienste der Beschäftigten sind zwischen 2000 und 2010 real um vier Prozent gesunken. Das ist das Ergebnis der 10-Jahres Bilanz zur Lohnentwicklung, die das WSI-Tarifarchiv in der Hans-Böckler-Stiftung vorgelegt hat.  [mehr]

Alleinerziehende profitieren vom Aufschwung

04.08.2011 | Die Jobcenter haben alleinerziehende Hartz-IV-Empfänger in den Blick genommen. Mit Integrationinitiativen versuchen sie, Mütter und Väter Arbeitsplätze zu vermitteln. Trotz guter Ansätze liegen noch viele Potenziale brach.  [mehr]

Lohn: Mehr und trotzdem weniger

29.04.2011 | Die tariflichen Monatsverdienste der Arbeitnehmer in Deutschland sind von Januar 2010 bis Januar 2011 um rund ein Prozent gestiegen - das Lohnplus der Arbeitnehmer bewegt sich damit unterhalb der Inflationsrate, die bei zwei Prozent liegt.  [mehr]

Ähnliche Artikel aus den anderen Rubriken:

Rechtsprechung

Erstattungsanspruch bei unzulässigem Ein-Euro-Job

18.04.2011 | Ein so genannter Ein-Euro-Jobber hat Anspruch auf finanziellen Ausgleich, wenn er wegen der Rechtswidrigkeit der Maßnahme beziehungsweise der Aufhebung des Bescheides die Arbeit ohne Rechtsgrund erbracht hat.  [mehr]

Fünf Euro Stundenlohn ist sittenwidrig

23.06.2008 | Ein Stundenlohn von 5 Euro für Arbeitskräfte, die als Auspackhilfen in Supermärkten tätig sind, ist sittenwidrig niedrig.  [mehr]

Gesetzgebung

Interview Gegen den Missbrauch von Leiharbeit

02.10.2015 | Arbeitsministerin Andrea Nahles hat ein Gesetz für eine strengere Regulierung von Leiharbeit und Werkverträgen und gegen deren Missbrauch angekündigt. Noch im Herbst möchte die Ministerin einen Gesetzentwurf vorlegen. Lesen Sie dazu ein Interview mit Jürgen Ulber, Experte für Arbeitnehmerüberlassung.  [weiterlesen auf "Arbeitsrecht im Betrieb"]

Hartz IV - Änderungen ab Januar

16.12.2010 | Ab Januar 2011 treten im Bereich der Grundsicherung, beim so genannten "Hartz IV", gesetzliche Neuregelungen in Kraft. Für das umstrittene Bildungspaket fehlt noch die Zustimmung des Bundesrates.  [mehr]

Arbeitshilfen

Rechtslexikon: Gehaltslisten

29.01.2010 | Gemäß § 80 Abs. 2 Satz 2 2. Halbsatz BetrVG steht dem Betriebsrat das Recht zu, die Listen über Bruttolöhne und -gehälter einzusehen.  [mehr]

Rechtslexikon: Sachbezüge

29.01.2010 | Arbeitslohn i.S.d. Einkommensteuergesetz (EStG) sind Geld und Sachbezüge (§ 8 Abs. 1 EStG), die im Rahmen der Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (§ 19 EStG) zufließen.  [mehr]

Das neue Förderungsrecht ab 01.01.2004 (05/2004)

25.02.2004 | Unser zweiteiliger Überblick über die Neuregelungen in der Arbeitsförderung ("Hartz III") wird mit dem Thema "Das neue Förderungsrecht" abgeschlossen.  [mehr]

Anrechnung der Abwrackprämie auf Alg II-Leistungen? (16/2009)

12.08.2009 | An der so genannten Abwrackprämie kommt dieser Tage kaum jemand vorbei – auch Empfänger von "Hartz IV" nicht. Womit sie nicht rechnen: Die Draufgabe für den Altwagen kann in Konflikt mit der staatlichen Stütze geraten.  [mehr]

Aus den Zeitschriften

AiB Plus: Leiharbeit als Dumpingwerkzeug

12.11.2010 | Seit 1972 ist Leiharbeit erlaubt – lange Zeit allerdings nur innerhalb bestimmter Grenzen. Durch die Hartz-Gesetzgebung fielen viele Schranken zum Schutz der Beschäftigten. Seitdem nehmen die unsicheren und oft schlechter als regulär bezahlten Arbeitsplätze zu.  [mehr]

Arbeitsrecht im Betrieb: Leistungsmanagement in der Kritik

10.06.2011 | In vielen Unternehmen gibt es Prämien- und Gehaltssysteme, mit denen Arbeitgeber und die Leistungsbereitschaft ihrer Beschäftigten erhöhen wollen. überzogene Ziele und die Fixierung auf kurzfristige Gewinne schaden aber auf lange Sicht den Beschäftigten und dem Unternehmen.  [mehr]