Selbstständig im Nebenerwerb

Welche Rechte und Pflichten hat der Arbeitnehmer?

Autor: Daria Stark

Sich neben dem Brotjob selbstständig zu machen, ist gar nicht so selten. Viele Arbeitnehmer träumen schon lange davon, ein Hobby zum Beruf oder zumindest zu einem Taschengeld zu machen. Wer weiß, vielleicht funktioniert sogar irgendwann der Sprung in die komplette Selbstständigkeit? Fakt ist, dass die wenigsten Menschen die Selbstständigkeit ohne weiteres Standbein finanzieren können, also ist der Hauptjob schon wichtig. Aber wie sieht das aus? Darf sich ein Arbeitnehmer einfach so nebenbei selbstständig machen, oder hat der Chef ein Mitspracherecht? Gibt es Einschränkungen? Oder gibt es Selbstständigkeiten, von denen der Arbeitgeber zwar wissen darf oder muss, in die er jedoch nicht reinreden kann? Dieser Artikel schaut sich das Thema einmal an.

Abbildung 1: Als Künstler oder Autor im Nebenjob selbständig machen - was ist dabei zu beachten?
Abbildung 1: Als Künstler oder Autor im Nebenjob selbständig machen - was ist dabei zu beachten?

Ist eine Selbstständigkeit als Nebenerwerb immer möglich?

Nein, denn es hängt massiv von der Tätigkeit ab. Beispielsweise ist die Selbstständigkeit immer verboten, wenn es sich ohnehin um eine illegale Tätigkeit handelt. Ein Angestellter darf also keinesfalls nebenberuflich als Drogendealer tätig sein - die Handlung allein ist illegal und somit untersagt. Aber auch bei anderen Formen der Selbstständigkeit darf der Arbeitgeber ein Verbot aussprechen:

  • Konkurrenz: Decken Hauptjob und Selbstständigkeit denselben Bereich ab, ist ein Verbot möglich. Ein Beispiel wäre der Hauptjob in der Pflegetätigkeit. Wer sich nun nebenberuflich beispielsweise als Pflegekraft in den Abendstunden selbstständig machen möchte, könnte unter das Verbot fallen.
  • Arbeitsschutzzeiten: Der Arbeitgeber kann die Tätigkeit mitunter untersagen, wenn sie deutliche Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis hat. Das kann geschehen, wenn der Arbeitnehmer eine Bar eröffnet und durch die Führung dieser nicht mehr in den Genuss der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten kommt. Auch selbstständige Tätigkeiten, die untertags mit dem Hauptjob kollidieren, dürfen vom Arbeitgeber untersagt - oder mit der entsprechenden Kündigung geahndet werden. Ständige Privatkundengespräche während der Arbeitszeit sind streng untersagt. 

Ein normaler Arbeitnehmer ist von Gesetz her nicht verpflichtet, den Arbeitgeber über die selbstständige Tätigkeit zu unterrichten. Diese Regelung ist jedoch nicht in Stein gemeißelt, denn letztendlich entscheiden Tarif- und Arbeitsverträge. Wird hier aufgeführt, dass der Arbeitgeber einer Nebentätigkeit zuzustimmen hat, ist die Verpflichtung zur Anmeldung gegeben. 

Anders verhält es sich bei Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst. Hier gelten oftmals wesentlich strengere Regelungen, sodass eine Anzeige abzugeben oder eine Bewilligung einzuholen ist, sobald es sich um eine Tätigkeit handelt, mit der Geld eingenommen wird. Je nach Bereich, Art des Arbeitsplatzes und Einordnung können die Regeln streng ausgelegt werden. Ähnliches kann bei Selbstständigen im Nebenerwerb gelten, die bei einem kirchlichen Träger angestellt sind. 

Je nach Auslegung und Position kann es hier schon problematisch werden, wenn die Selbstständigkeit aus einer Freiberuflichkeit als Autor besteht und die Bücher in ein falsches Genre fallen. Überspitzt gesagt: Schreibt der Autor Pornos, homosexuelle Romane oder Horrorromane, könnte ein Verbot ausgesprochen werden. Mit anwaltlicher Klärung wäre die Selbstständigkeit jedoch unter Pseudonym möglich.

Welche Rechte und Pflichten ergeben sich aus einer solchen Konstellation?

Wer sich gerade erst nebenbei selbstständig macht, unterschätzt oft den Aufwand. Sicher, besteht die Selbstständigkeit aus künstlerisch freiberuflichen Tätigkeiten, fällt der Aufwand zumindest zuerst nicht ins Gewicht. Der Arbeitnehmer würde ohnehin schreiben, seine Werke zeichnen oder fotografieren. Nun vertreibt er seine Werke schlichtweg. Trotzdem kommt praktisch mit dem ersten offiziellen Zurschaustellen Arbeit auf ihn zu. Und hier beginnen die Pflichten: 

  • Haupttätigkeit: Wer nur nebenbei selbstständig ist, kann diese Tätigkeit auch nur nebenbei ausüben. Die volle Konzentration muss dem Hauptjob gelten, und das schließt auch die Erholung mit ein. Die Ruhezeiten müssen eingehalten werden, zumindest aber muss sichergestellt sein, dass der Arbeitnehmer morgens erholt und wach beim Hauptjob erscheint. 
  • Trennung: Die Selbstständigkeit ist für die meisten das »kleine Baby«, welches gehegt, betüddelt und gepflegt werden will. Während des Hauptjobs ist dies nicht möglich. Hier gilt: Während dieser Arbeitszeit existiert die Selbstständigkeit nicht. 
  • Urlaub: Wer im Hauptjob Urlaub nimmt, nimmt diesen zur Erholung. Es ist also nicht möglich, diese Zeit dazu zu nutzen, mit voller Kraft die Selbstständigkeit zu betreiben und keinerlei Erholung zu finden. Beispiel: Es wird Urlaub genommen, um den Laden für den Verkaufsshop zu renovieren. Das funktioniert nicht. 
  • Krankschreibung: Wer sich im Hauptjob krankschreiben lässt, darf auch nicht die Selbstständigkeit ausüben. Mit einer dicken Erkältung kann natürlich die nächste Szene geschrieben oder das nächste Bild gemalt werden, dies steht der Genesung nicht entgegen. Mit der Krankschreibung ist aber der Messebesuch oder ein Gründerseminar ausgeschlossen. 

Die Rechte sind arbeitsvertraglich festgelegt. Grundsätzlich gilt, dass bei sämtlichen Unsicherheiten oder Streitigkeiten ein rechtlicher Beistand in Anspruch genommen werden sollte. Denn auch kirchliche oder staatliche Arbeitgeber dürfen nebenberufliche Selbstständigkeiten nicht einfach untersagen, selbst wenn die Tätigkeit nicht ins Bild passt.

Was sollten Angestellte im Nebenerwerb sonst noch beachten?

Auch im Nebenerwerb ist eine Selbstständigkeit anzeigepflichtig. Zum Start muss dem Finanzamt daher die Selbstständigkeit gemeldet werden, auch, damit sich für oder gegen die Kleinunternehmerregelung entschieden werden kann. Ansonsten: 

  • Buchhaltung: Zu Beginn sind die Kosten vermutlich höher als die Einnahmen, doch die Buchhaltung sollte vom ersten Augenblick an ordentlich erledigt werden. Viele Buchhaltungsprogramme helfen hierbei und verhindern die gröbsten Fehler. 
  • Konto: Es ist sinnvoll, den Nebenerwerb über ein eigenes Konto abzuwickeln. Bei Kleinselbstständigen erlauben viele Banken ein übliches Girokonto. Die Trennung hilft dabei, die Einnahmen und Ausgaben von den üblichen Kontobewegungen zu unterscheiden. Sollte es aus irgendwelchen Vergehen in der Vergangenheit keine saubere Bonitätsauskunft mehr geben, gibt es auch die Möglichkeit ein Geschäftskonto trotz negativer Schufa zu eröffnen. 
  • Beratung: Es hilft, sich anfangs einmal vom Steuerberater beraten zu lassen. Ansonsten sollten Selbstständige prüfen, ob für sie Pauschalen gelten, die grundsätzlich von den Einnahmen abgezogen werden dürfen. 
  • Versicherungen: Wer plant, die Selbstständigkeit auszubauen, sollte direkt prüfen, welche Versicherungspflichten für ihn bestehen. Viele Anträge dauern Monate, sodass im Ernstfall eine Versicherungslücke besteht. 
Abbildung 2: eine Selbständigkeit im Online-Business ist heute nicht selten.bekommen und was nicht.
Abbildung 2: eine Selbständigkeit im Online-Business ist heute nicht selten.bekommen und was nicht.

Fazit - Prioritäten setzen

Solange ein nebenbei selbstständiger Arbeitnehmer einen Hauptjob hat, muss er diesen priorisieren. Die Selbstständigkeit darf dem Hauptjob nicht im Wege stehen oder diesen nachteilig belasten. Das bedeutet auch, dass es sinnvoll ist, sich rechtzeitig mit dem Gedanken zu befassen, die Arbeitszeiten im Brotjob zu verringern. Pauschal darf der Arbeitgeber eine Selbstständigkeit nicht verbieten, sofern sie nicht massiv mit seinem Betrieb kollidiert. Und selbst diese Verbote sind Auslegungssache und können von einem Fachanwalt zumeist aufgehoben werden.

Bildquellen:
Abbildung 1: @ Nietjuh (CC0-Lizenz) / pixabay.com
Abbildung 2: @ Skitterphoto (CC0-Lizenz) / pixabay.com

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